Foto: Foot Bowl/Just Shots

Die Diskussion um die Zukunft des europäischen Franchise-Footballs geht weiter. Während mehrere Teams in den vergangenen Monaten ihren Abschied aus der European League of Football erklärt und sich neuen Projekten angeschlossen haben, meldete sich ELF-CEO Željko Karajica nun ausführlich zu Wort.

Željko Karajica im Videointerview mit Foot Bowl

Im Gespräch auf Foot Bowl TV (YouTube) blickte Karajica auf fünf Jahre European League of Football zurück, sprach über Kritik an der Liga, die aktuelle wirtschaftliche Situation und vor allem über einen Punkt, der derzeit im Zentrum vieler Diskussionen steht: bestehende Verträge zwischen Liga und Franchises.

Rückblick auf fünf turbulente Jahre

Die ELF wurde 2021 mitten in der Corona-Pandemie unter schwierigen Bedingungen gegründet. Unterschiedliche Regeln in mehreren europäischen Ländern und unsichere Zuschauerzahlen machten den Start kompliziert.

„Wir sind in einem unfassbar schwierigen Umfeld gestartet. Man vergisst das gerne mal, was die ganzen Zuschauer betrifft und damals drei europäische Länder, unterschiedliche Regeln und alles musste unter einen Hut gebracht werden, um trotzdem ein vernünftiges TV-Signal zu haben.“

Trotz dieser Rahmenbedingungen sei es gelungen, die Liga aufzubauen und ein Produkt zu etablieren, das mittlerweile international wahrgenommen werde.

„Es gab sicherlich einfachere Aufgabenstellungen. Wir haben das hinbekommen. Ich glaube, wir haben das auch sehr vernünftig entwickelt. […] Es bleibt viel Arbeit und es bleibt auch viel Aufregung im Hintergrund.“

Umgang mit Kritik

Gerade in den vergangenen Monaten wurde die Liga und Željko Karajica selbst häufig kritisiert. Mehrere Teams verließen die ELF, andere Ligen entstanden und auch wirtschaftliche Themen wurden öffentlich diskutiert. Karajica betont, dass Kritik grundsätzlich Teil des Geschäfts sei.

„Ich habe überhaupt gar kein Problem mit sachlicher Kritik. Mit der bin ich auch gerne bereit, mich auseinanderzusetzen. Problem ist natürlich im Zeitalter von Social Media: Jede Headline ist geduldig und jeder, der glaubt, irgendetwas zu wissen, kann eine wunderbare Headline raushauen.“

Gleichzeitig wünscht sich der Liga-CEO eine differenziertere Betrachtung der Situation.

„Wenn siebzehn Parteien dabei sind – sechzehn Teams und eine Liga – […] vielleicht ist es nicht immer schwarz und weiß, was da dargestellt wird.“

Saisonplanung für 2026

Trotz der aktuellen Unsicherheiten arbeitet die ELF weiterhin an einer neuen Saison. Laut Karajica wurde bereits ein Spielplan an mehrere Teams verschickt.

„Wir haben letzte Woche unseren Spielplan an die Teams verschickt, von denen wir glauben, dass wir Anspruch darauf haben, dass sie sich in dieser Liga hier auch zeigen und auch hier spielen […]. Wir warten auf die Rückmeldung.“

Die Liga hat dafür Fristen gesetzt. Ein Saisonstart Ende Mai bleibt weiterhin das Ziel.

„Diese Woche laufen die Deadlines aus. […] Wenn wir Ende Mai starten wollen, dann sind wir kaum mehr als zwei Monate entfernt vor dem Kickoff des ersten Spiels.“

Verträge als zentraler Streitpunkt

Ein besonders sensibles Thema sind bestehende Franchise-Verträge. Mehrere Teams hatten öffentlich erklärt, künftig nicht mehr in der ELF spielen zu wollen. Karajica verweist jedoch darauf, dass einige dieser Organisationen weiterhin vertraglich gebunden seien.

„Es gibt Teams beispielsweise in der EFA wie Tirol, Paris, Prag, Nordic, Madrid – übrigens auch München – die haben laufende Verträge […]. Das heißt, sie sind verpflichtet, sie können nicht einfach irgendwo anders spielen.“

Die Liga werde daher auf die Einhaltung dieser Vereinbarungen bestehen.

„Wir haben laufende Verträge. Darauf werden wir insistieren und das wird die Grundlage für unsere Saison und für unsere Liga sein.“

Wirtschaftliche Herausforderungen

Auch die wirtschaftliche Situation der Liga kam im Interview zur Sprache. Die ELF befindet sich derzeit in einem Verfahren der Eigenverwaltung. Hintergrund ist unter anderem eine gescheiterte Kapitalmaßnahme.

„Wir wären hier tatsächlich nicht in der Insolvenz in Eigenverwaltung, wenn wir alles fristgerecht hätten bezahlen können. […] Wir versuchen über die Restrukturierung nach vorne zu denken und das Ganze weiter zu planen.“

Karajica betonte jedoch, dass viele Partner weiterhin mit der Liga zusammenarbeiten wollen.

„Das Feedback von sehr vielen Partnern, die wir da draußen haben, ist nach wie vor positiv.“

Medienpartner und Reichweite

Zuletzt war auch über die TV-Partner der Liga spekuliert worden. Karajica stellte klar, dass man weiterhin im Austausch mit den Sendern stehe.

„Unsere Partner sind in absolut konstruktivem Austausch mit uns. Wir warten auf den Spielplan […]. Dann wird es auch die ELF dieses Jahr bei ProSieben geben, auch bei DAZN und bei allen anderen Partnern.“

Im vergangenen Jahr seien Spiele der Liga in zahlreichen Ländern übertragen worden.

„Wir haben letztes Jahr in 13 Länder linear gesendet, dazu DAZN weltweit in über 200 Länder.“

Selbstkritik beim Wachstum

Rückblickend räumt der ELF-CEO ein, dass das schnelle Wachstum der Liga Herausforderungen mit sich gebracht habe.

„Das Tempo, in dem wir gewachsen sind, hat uns eingeholt. Wenn man in einem Jahr beispielsweise sechs Teams on boardet […] bleibt vielleicht die Information an die Bestandsfranchises auf der Strecke.“

Neben internen Faktoren hätten auch äußere Ereignisse eine Rolle gespielt.

„Sie haben das Thema Corona angesprochen, ich spreche auch den Ukraine-Krieg an […]. Das sind alles Themen, die das Leben schwieriger gemacht haben.“

Wie viele Ligen verträgt Europa?

Mit der Entstehung neuer Wettbewerbe stellt sich zunehmend die Frage, ob der Markt mehrere parallele Ligen tragen kann. Karajica äußerte dazu eine klare Meinung.

„Ganz klares Nein. Es gibt keinen Platz für drei Ligen.“

American Football in Europa habe zwar Potenzial, befinde sich aber weiterhin in einer frühen Entwicklungsphase.

„American Football made in Europe ist stark genug, um ein gutes Produkt zu werden. Aber drei Ligen […] parallel nebeneinander, gegeneinander – das wird keine Chance haben.“

Gesprächsbereitschaft bleibt bestehen

Trotz der aktuellen Spannungen betonte Karajica zum Abschluss, dass die ELF grundsätzlich offen für Gespräche sei.

„Wir als ELF haben nie gesagt, wir reden mit niemandem und wir machen die Tür zu. […] Wir sind diejenigen, die bereit stehen, mit allen zu reden.“

Wie sich die Landschaft des europäischen Franchise-Footballs in den kommenden Monaten entwickelt, bleibt damit weiterhin offen. Klar ist jedoch: Die Frage nach Verträgen, Strukturen und der Zukunft der Ligen wird den Sport in Europa noch länger beschäftigen.

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Hendrik

Hendrik gründete Foot Bowl am 30. April 2021. Mail: footbowl@gmx.net

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