Foto: PFA/Rico Doninelli

Schneller, höher, weiter – dieses Motto wird nicht nur im Sport groß geschrieben, sondern auch im American Football in Europa. Mit der Gründung der European League of Football vor knapp sechs Jahren sollte an die glorreichen NFL-Europe-Zeiten angeknüpft werden. Dafür investierte man viel und wollte bei jedem Finale noch eins draufpacken. So holte man sich für das vergangene Jahr mit den Fantastischen Vier eine der größten deutschen Bands, um das Endspiel in Stuttgart unvergesslich zu machen. Dies wurde es letztlich auch, aber viel mehr, weil es das letzte Spiel der Liga gewesen ist.

Von all diesem Getöse und medialen Aufbauschen des eigenen Produkts war beim EFA Championship Game in Innsbruck nichts zu spüren. Zwar wurde für die EFA Honors eine örtliche Rooftop Bar angemietet, was durchaus als Showelement anzusehen ist, jedoch war zu hören, dass es eine sehr familiäre Atmosphäre war und nichts künstlich gepusht wirkte.

Das war auch am Finaltag zu spüren. Statt einer großen Pregame Party gab es eine, die eher den Charme eines Regionalligaspiels besaß. Bei Beginn drei Stunden vor Kickoff gab es nur einen Stand für Essen und Getränke. Auch die Merchstände der Liga und Raiders Tirol waren sehr puristisch, bestanden sie doch lediglich aus Klapptischen. Ergänzt wurden sie von dem Merchwagen der Munich Ravens, einem Stand von Ausrüster Forelle und einem vom Bundesheer. Der ein oder andere Fan mag dort etwas sehnsüchtig auf die benachbarte „Friends and Family Party“ der Eishockey-Abteilung der Raiders geschaut haben, die schon eher einer Powerparty ähnelte.

Weniger Show, mehr Sport

Doch davon war nur wenige Luftmeter entfernt nichts zu spüren. Im Stadion war lediglich die Haupttribüne geöffnet worden, auf der letztlich 4157 Zuschauer Platz fanden. Zum Vergleich: In der GFL waren zuletzt 1981 so wenige Fans bei einem Endspiel im Stadion, damals waren 2.500 im Kölner Südstadion. Während wohl kaum einer der in Innsbruck anwesenden Fans damals ebenfalls anwesend gewesen sein dürfte, dürften die Spiele eins gemeinsam haben: Der Sport stand im Vordergrund. Vor dem Kickoff und in der Halbzeitpause durfte die Sängerin Claudia Yang das Publikum anheizen. Statt einer pompösen Show nutzte sie die Cheerleaderin der Raiders Tirol und sang ohne Bühne auf dem grünen Rasen – erfrischend anders.

Lucky Ogbevoen tacklt Running Back Benedikt Pohler – Foto: PFA/Rico Doninelli

Sportlich boten sich die Teams einen erbitterten Kampf. Das lag nicht zuletzt an den Vorkommnissen von vor drei Wochen, als die Munich Ravens nur mit dem B-Team bei Nordic Storm angetreten sind. „Wir haben uns disrespected gefühlt, dass sie bei uns in Kopenhagen nur mit der B-Mannschaft gekommen sind. Das haben wir persönlich genommen. Mit diesem Ehrgeiz haben wir gegen sie gespielt“, sagte Lucky Ogbevoen nach dem Spiel und dürfte damit seinem Team aus der Seele gesprochen haben.

Diese Emotionen waren die ganze Zeit über auf dem Feld sichtbar. Im Schlussviertel kochten diese jedoch dermaßen über, dass es mehrfach zu Rudelbildungen kam. Auch zwischen den Ravens-Fans und der Sideline von Nordic Storm wurden nicht nur nette Worte ausgetauscht. Sie übertünchten einen Abend, der Anlass zur Hoffnung bot.

„Wir müssen nachhaltig sein und langsam wachsen“

Schließlich meinte der neue EFA-Präsident Markus Kuhn: „Wir müssen nachhaltig sein und langsam wachsen, damit wir noch in den nächsten zehn Jahren hier sind.“ Es waren selbstkritische und bedächtige Worte, die man so seit der Gründung der ELF nur sehr selten gehört hat.

EFA-Präsident Markus Kuhn – Foto: PFA/Rico Doninelli

Doch genau darin liegt auch eine Chance. „Wir haben viel zu tun. Die Fans verdienen so viel mehr“, befand Kuhn. Diese Grundlage könnte die Liga mit diesem Endspiel gelegt haben. Eine Partie, die im krassen Gegensatz zu dem stand, was sonst das Motto im europäischen Football war. Statt „schneller, höher, weiter“ heißt es nun: nachhaltig arbeiten und langsam wachsen. Ein Strategiewechsel, der vielleicht endlich den erhofften Erfolg bringt.

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