Der europäische Football erlebt den nächsten Paukenschlag. Ausgerechnet Nordic Storm, der erste Meister der European Football Alliance, plant zur Saison 2027 den Wechsel in die konkurrierende AFLE. Die Skandinavier und die AFLE verkündeten ihre Pläne am Donnerstag in einem gemeinsamen Instagram-Beitrag. Besonders brisant: Nur einen Tag zuvor hatte die EFA ihren sieben Mannschaften umfassenden Teilnehmerkreis für 2027 präsentiert, selbstverständlich inklusive Nordic Storm. Die Reaktion von EFA-Präsident Markus Kuhn liess nicht lange auf sich warten. Der ehemalige NFL-Profi kommentierte die Ankündigung öffentlich und sorgte damit für zusätzliche Aufmerksamkeit.

EFA-Präsident Kuhn reagiert mit deutlicher Kritik

Mit einer gemeinsamen Grafik begrüssten die AFLE und Nordic Storm den amtierenden EFA-Champion bereits als möglichen Neuzugang. Unter dem Schriftzug „Welcome“ waren das Logo der Skandinavier und das Emblem der AFLE zu sehen. In der dazugehörigen Mitteilung wird allerdings ausdrücklich davon gesprochen, dass Nordic Storm einen Beitritt zur Saison 2027 plant. Ob bereits sämtliche vertraglichen Voraussetzungen erfüllt sind, geht daraus nicht hervor. Dass beide Seiten ihre Absichten gemeinsam öffentlich machen, ist dennoch ein deutliches Signal.

Für besondere Aufmerksamkeit sorgte die Reaktion von Markus Kuhn. Der Präsident der European Football Alliance kommentierte den Instagram-Beitrag der Konkurrenzliga mit den Worten:

„Das ist diese 🤡 Show, von der ich gesprochen habe!“

Markus Kuhn, Präsident der European Football Alliance

Wen Kuhn mit seiner Kritik konkret ansprechen wollte, liess er offen. Ob sich seine Verärgerung gegen die AFLE, die Verantwortlichen von Nordic Storm oder den Ablauf der Bekanntgabe richtet, ist bislang nicht bekannt. Bemerkenswert bleibt dennoch, dass sich der Präsident einer europäischen Profiliga derart öffentlich über den möglichen Wechsel des eigenen Meisters äussert. Gerade weil die EFA erst einen Tag zuvor ihre Planungen für die kommende Saison vorgestellt hatte, dürfte die Nachricht hinter den Kulissen für erhebliche Diskussionen sorgen.

Erst präsentiert die EFA sieben Teams

Die zeitliche Abfolge macht den Vorgang besonders interessant. Noch am Mittwoch hatte die European Football Alliance eine Europakarte veröffentlicht, auf der die sieben vorgesehenen Franchises für 2027 zu sehen waren. Neben Nordic Storm gehörten dazu die Munich Ravens, Frankfurt Galaxy, Paris Musketeers, Prague Lions, Raiders Tirol und London Guard. Die Veröffentlichung stand im Zusammenhang mit der Planung des Championship Games 2027 und vermittelte den Eindruck, dass das Teilnehmerfeld für die zweite EFA-Saison bereits feststeht. Nur rund einen Tag später präsentierte die AFLE ausgerechnet den amtierenden Meister als möglichen Neuzugang.

Ob die Verantwortlichen der EFA zu diesem Zeitpunkt bereits von den Wechselabsichten wussten, ist nicht bekannt. Auch über mögliche Gespräche zwischen den beiden Ligen und Nordic Storm liegen bislang keine gesicherten Informationen vor. Für die Aussendarstellung der EFA ist die Entwicklung dennoch problematisch. Schliesslich hatte sich die Liga nach den Turbulenzen rund um die European League of Football mit dem Anspruch gegründet, ihren Franchises langfristige Stabilität und mehr Einfluss auf wirtschaftliche Entscheidungen zu ermöglichen. Sollte nun ausgerechnet der erste Meister nach nur einer Saison wieder gehen, wäre das ein erheblicher Rückschlag für diesen Anspruch.

Nordic Storm verlässt die EFA als Champion

Sportlich könnte der Verlust für die European Football Alliance kaum schwerer wiegen. Nordic Storm gehört seit seiner Gründung zu den erfolgreichsten neuen Franchises im europäischen Football. Die Organisation startete 2025 in der European League of Football und schloss sich nach den Veränderungen in der europäischen Ligalandschaft zur Saison 2026 der neu gegründeten EFA an. Dort entwickelten sich die Skandinavier schnell zu einem der dominierenden Teams und krönten ihre Premierensaison mit dem Meistertitel.

Im ersten EFA Championship Game am 29. August 2026 in Innsbruck setzte sich Nordic Storm mit 48:28 gegen die Munich Ravens durch. Quarterback Jadrian Clark führte seine Mannschaft zum Titel, während Running Back Glen Toonga mit drei Touchdowns entscheidenden Anteil am Erfolg hatte. Auch bei den individuellen Auszeichnungen räumte Nordic Storm ab. Clark wurde zum Most Valuable Player gewählt, Wide Receiver Brendan Beaulieu zum Offensive Player of the Year und Defensive Back Luke Glenna zum Defensive Player of the Year. Die EFA würde somit nicht nur ihren amtierenden Meister verlieren, sondern gleichzeitig mehrere ihrer bekanntesten und erfolgreichsten Spielerpersönlichkeiten.

Nordic-Storm-Präsident und Executive Chairman Michael Weidick Planeta begründete die angestrebte Veränderung mit der langfristigen Entwicklung des europäischen Footballs.

„Wir haben eine Meisterschaft gewonnen und wollen jetzt dabei helfen, etwas Grösseres aufzubauen: eine stärker vereinte europäische Footballlandschaft.“

Michael Weidick Planeta, Präsident und Executive Chairman von Nordic Storm

Nach Angaben der Organisation sieht man in einem Beitritt zur AFLE die Möglichkeit, an dieser Entwicklung mitzuwirken und künftig eine führende Rolle einzunehmen. Spieler, Fans und Partner in Dänemark und Schweden würden sich auf die kommenden Herausforderungen freuen. Dass ausgerechnet der Meister einer konkurrierenden Liga nun von einer stärker vereinten Footballlandschaft spricht, dürfte allerdings zusätzliche Diskussionen auslösen. Schliesslich existieren mit EFA und AFLE weiterhin zwei voneinander unabhängige Wettbewerbe, die um Mannschaften, Sponsoren und Aufmerksamkeit konkurrieren.

Finanzielle Hintergründe werfen weitere Fragen auf

Interessant sind in diesem Zusammenhang auch Informationen über die wirtschaftliche Stellung von Nordic Storm innerhalb der EFA. Nach Insiderinformationen soll Nordic Storm als einziges Franchise der Liga keine eigenen Gesellschaftsanteile gehalten haben. Als möglicher Grund werden fehlende finanzielle Mittel für eine entsprechende Beteiligung genannt.

Sollten sich diese Informationen bestätigen, könnte Nordic Storm innerhalb der Liga tatsächlich eine andere Stellung als die übrigen Teilnehmer eingenommen haben. Daraus lässt sich allerdings nicht automatisch ableiten, dass ein Wechsel problemlos möglich wäre. Auch ohne Gesellschaftsanteile können Franchises durch Teilnahmeverträge und weitere Vereinbarungen an einen Wettbewerb gebunden sein. Ob finanzielle Überlegungen bei der Entscheidung eine Rolle gespielt haben, bleibt ebenfalls offen. Öffentlich begründet Nordic Storm den angestrebten Wechsel ausschliesslich mit seiner Vision für die Zukunft des europäischen Footballs.

AFLE könnte sportlich enorm profitieren

Für die The League Europe wäre die Verpflichtung des amtierenden EFA-Meisters ein echter Transfercoup. Bereits in den vergangenen Wochen hatte die Liga mehrere Veränderungen für die Saison 2027 angekündigt. Mit den Warsaw Eagles soll ein neues Franchise aus Polen hinzukommen, auch in Hamburg entsteht eine neue Organisation. In Florenz sollen künftig die Guelfi Firenze anstelle der bisherigen Firenze Red Lions antreten. Nordic Storm würde dieses Teilnehmerfeld nicht nur geografisch erweitern, sondern vor allem sportlich deutlich aufwerten.

Die Skandinavier bringen eine eingespielte Organisation, internationale Erfahrung und einen Meistertitel mit. Gleichzeitig könnte die AFLE ihre Präsenz in Nordeuropa ausbauen und zusätzliche Aufmerksamkeit in Dänemark und Schweden gewinnen. Begegnungen zwischen Nordic Storm und etablierten Mannschaften wie Rhein Fire, den Vienna Vikings oder den Panthers Wroclaw hätten zweifellos sportlichen Reiz. Allerdings sind weder die mögliche Conference-Einteilung noch der Spielplan für 2027 bekannt. Auch die endgültige Teilnahme hängt davon ab, ob sämtliche organisatorischen und vertraglichen Voraussetzungen erfüllt werden können.

Für die EFA stellt sich dagegen die Frage, wie sie auf einen möglichen Abgang reagieren würde. Erst kürzlich hatte die Liga mit der Partnerschaft zwischen London Guard und adidas positive Nachrichten verbreitet und ihre Vorbereitungen für die kommende Saison vorangetrieben. Sollte Nordic Storm tatsächlich ausscheiden, müsste das gerade erst präsentierte Teilnehmerfeld erneut angepasst werden. Ob die Liga einen Ersatz sucht oder mit sechs Mannschaften in die Saison startet, ist bislang völlig offen.

Ein Wechsel mit Folgen für Europa

Noch ist der Wechsel von Nordic Storm zur AFLE nicht endgültig bestätigt. Die gemeinsame Veröffentlichung beider Seiten lässt jedoch wenig Zweifel daran, dass die Skandinavier ihre sportliche Zukunft ab 2027 in einem anderen Wettbewerb sehen. Für die AFLE wäre das ein bemerkenswerter Erfolg im Wettbewerb um die attraktivsten europäischen Franchises. Für die EFA könnte es dagegen zum ersten grossen Rückschlag nach ihrer erfolgreichen Premierensaison werden.

Besonders die öffentliche Reaktion von Markus Kuhn zeigt, wie angespannt das Verhältnis zwischen den konkurrierenden Ligen weiterhin ist. Statt einer gemeinsamen europäischen Footballlandschaft steht erneut ein möglicher Franchisewechsel im Mittelpunkt, der weit über sportliche Fragen hinausgeht. Welche vertraglichen Konsequenzen daraus entstehen und wie die EFA auf den drohenden Verlust ihres Champions reagiert, bleibt abzuwarten.

Fest steht bereits jetzt: Wenn der erste EFA-Meister nach nur einer Saison zur Konkurrenz wechselt, ist das weit mehr als eine gewöhnliche Personalentscheidung. Es wäre ein deutliches Signal im Machtkampf um die Zukunft des europäischen Footballs.

Hendrik

Hendrik gründete Foot Bowl am 30. April 2021. Mail: footbowl@gmx.net

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