Foto: PFA/Björn Hinghaus
Nach der EFA hat auch die American Football League Europe ihre erste Saison beendet. 6.113 Zuschauer verfolgten das Finale in der Duisburger Schauinsland-Reisen-Arena. Dort zerlegten die Vienna Vikings die Wroclaw Panthers und feierten einen deutlichen 68:5-Erfolg. Gleichzeitig stellten die Wiener einen neuen Punkterekord für das Finale einer paneuropäischen Liga auf.
Den bisherigen Bestwert hatte ausgerechnet Rhein Fire drei Jahre zuvor am selben Ort aufgestellt. Damals bezwang Fire das neu formierte Team von Stuttgart Surge mit 53:34. Zwischen beiden Endspielen gibt es noch eine weitere Verbindung. Die prägende Figur des Wochenendes hieß damals wie heute Jim Tomsula.
Der frühere Erfolgstrainer von Rhein Fire ist mittlerweile zum Gesicht der AFLE geworden. Seit wenigen Monaten fungiert Tomsula als Ligapräsident und ist seitdem nahezu allgegenwärtig. Neben zahlreichen Medienauftritten startete die Liga mit „Huddle Talk with Jim“ sogar ein eigenes Format. Dort können Fans ihre Fragen direkt an den in Football-Europa hochgeschätzten US-Amerikaner richten.
Auch während des Finalwochenendes in Duisburg und Düsseldorf befand sich Tomsula praktisch im Dauereinsatz. Am Freitag stellte er sich gemeinsam mit CEO Joel Nagel den Fragen auf der offiziellen Pressekonferenz. Für Nagel gehörte dieser Termin zu seinen bislang seltenen öffentlichen Auftritten vor Presse und Fans. Tomsula zog anschließend weiter und war am Abend beim Fire Talk in einer Düsseldorfer Kultkneipe zu Gast.
Tomsula sucht bewusst die Nähe zu den Fans
Am Samstag setzte sich das Programm nahtlos fort. Tomsula besuchte zunächst das Flag-Football-Event und mischte sich dort unter die Zuschauer. Später wechselte der frühere NFL-Coach sogar die Rolle und stellte sich selbst hinter den Zapfhahn. Rund 50 Menschen wurden dabei von ihm mit Freibier versorgt.
„Ich muss eine schöne Krone hinbekommen.“
Jim Tomsula, Präsident der AFLE
Dabei zeigte sich der 58-Jährige gewohnt locker und nahm sich viel Zeit für die anwesenden Fans. Dass eine ordentliche Schaumkrone in Deutschland dazugehört, war dem Amerikaner dabei offenbar bestens bewusst.
Am Abend folgte bereits der nächste Termin. Bei den AFLE Honors überreichte Tomsula zwei Auszeichnungen und verkündete zudem den Beitritt der Warsaw Eagles. Auch am Finalsonntag war der Ligapräsident rund um das Stadion kaum zu übersehen. Immer wieder suchte er den Kontakt zu Fans, Spielern, Verantwortlichen und Sponsoren.
Begleitet wurde er dabei von seiner Frau Julie. Nach den gesundheitlichen Problemen ihres Mannes achtet sie darauf, dass dieser sich nicht übernimmt. Zumindest während der Tage in Duisburg machte Tomsula jedoch einen energiegeladenen Eindruck.
Diese Energie scheint aktuell ein wichtiger Bestandteil der Außendarstellung der AFLE zu sein. Nach Monaten voller Kritik versucht die Liga, wieder positivere Schlagzeilen zu produzieren. Tomsula nimmt dabei eine zentrale Rolle ein.
„Ich bin so begeistert wie noch nie zuvor von American Football in Europa.“
Seine Begeisterung unterstrich er auf der Pressekonferenz noch einmal deutlich.
„Was hier passiert und was die Menschen hier machen, begeistert mich total.“
Genau diese Botschaft transportierte Tomsula während des gesamten Wochenendes. Ob Pressekonferenz, Kneipe, Flag Football, Zapfhahn oder Stadion, der Ligapräsident zeigte Präsenz. Die Strategie dahinter ist kaum zu übersehen. Die AFLE möchte verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen und wieder mehr Menschen in ihre Stadien locken.
Die AFLE braucht wieder mehr Zuschauer
Dass die Liga dabei Handlungsbedarf besitzt, zeigen die Zahlen ihrer Debütsaison. Durchschnittlich kamen zu den 34 Partien lediglich 2.418 Zuschauer. Allerdings veröffentlichte die Liga für elf Begegnungen keine offizielle Zuschauerzahl. Das erschwert eine vollständige Bewertung der Premierensaison.
Eine positive Entwicklung gab es vor allem bei den Vienna Vikings. Der Wechsel ins Wiener Sport-Club Stadion brachte dem österreichischen Franchise einen spürbaren Zuschauerzuwachs. Allein diese Entwicklung wird jedoch nicht reichen, um die gesamte Liga nachhaltig zu stabilisieren.
Das Ligabüro setzt deshalb offenbar stark auf die Popularität seines neuen Präsidenten. Tomsula genießt besonders bei den Anhängern von Rhein Fire weiterhin einen außergewöhnlichen Stellenwert. Noch immer sind bei Fire-Spielen Hoodies mit dem Schriftzug „In Jim we trust“ zu sehen.
Auch CEO Joel Nagel hob auf der Pressekonferenz die Eigenschaften seines Präsidenten hervor.
„Er ist ein Typ, der keinen Unsinn duldet. Ihm liegen Fairness und Gleichberechtigung sehr am Herzen und vor allem die Frage, welches Team das andere taktisch übertrumpfen und ausmanövrieren kann.“
Joel Nagel, CEO der AFLE
Tomsula ist damit zu einem wichtigen Trumpf für die Liga geworden. Mit seiner offenen Art erreicht er Teile der europäischen Football-Community, die der AFLE zuletzt kritisch gegenüberstanden. In Düsseldorf formulierte er selbst, worum es dabei geht.
„Wir brauchen euch, um das Vertrauen zurückzugewinnen.“
Jim Tomsula, Präsident der AFLE
Für diese Aussage erhielt er viel Applaus von den anwesenden Fans. Doch genau an diesem Punkt beginnt für Tomsula und die AFLE die eigentliche Arbeit. Sympathie und Fannähe können dabei helfen, verloren gegangenes Vertrauen wieder aufzubauen. Langfristig müssen den Worten allerdings konkrete Veränderungen folgen.
Tomsula hat unter anderem angekündigt, für mehr sportliche Ausgeglichenheit innerhalb der Liga sorgen zu wollen. Nach einem Championship Game, das mit 68:5 endete, erhält dieses Vorhaben zusätzliche Bedeutung. Die Premierensaison hat schließlich gezeigt, dass zwischen einzelnen Mannschaften teilweise erhebliche Leistungsunterschiede bestehen.
Das Finalwochenende hat zugleich verdeutlicht, welchen Weg die AFLE bei ihrer Außendarstellung einschlagen möchte. Die Liga will wieder näher an ihre Fans heranrücken. Kaum jemand eignet sich dafür derzeit besser als Jim Tomsula.
Der frühere Fire-Coach besitzt noch immer einen Vertrauensvorschuss bei vielen Football-Fans in Europa. Diesen versucht die AFLE nun für ihren Neustart nach einer schwierigen Premierensaison zu nutzen. Tomsula hat in Duisburg und Düsseldorf gezeigt, dass er Menschen erreichen und für Football begeistern kann.
Nun muss sich zeigen, ob daraus mehr entstehen kann. Denn Football-Europa braucht langfristig weniger große Versprechen und mehr sichtbare Fortschritte. Genau daran werden sich Tomsula und die AFLE in ihrer zweiten Saison messen lassen müssen.







