Im Rahmen der ERDINGER Brauhaus Webshow hat Moritz Heisler, COO & Managing Director der AFLE, ausführlich über sportliche Leitplanken, Homegrown-Regeln, Expansion und die Frage gesprochen, wie eine neue Liga in Europa dauerhaft funktionieren kann. Der Tenor: weniger Schnellschüsse, mehr Struktur und vor allem ein Wettbewerb, der nicht von vornherein entschieden ist.
Salary Cap als Option – aber erst braucht es eine saubere Definition
Ein zentrales Thema war die sportliche Ausgeglichenheit. Heisler bestätigte, dass die AFLE verschiedene Mechanismen prüft, um zu verhindern, dass finanzstärkere Organisationen dauerhaft einen Wettbewerbsvorteil haben. Ein Salary Cap wird dabei ausdrücklich als mögliches Instrument genannt: „Salary Cap wäre eine davon“, sagte Heisler und machte gleichzeitig deutlich, dass die Umsetzung in Europa komplexer ist, als viele Fans es aus der NFL kennen.
Denn bevor man überhaupt über eine Obergrenze sprechen kann, muss definiert werden, was im Football-Alltag wirklich „Gehalt“ ist. Heisler nennt dabei klassische Grauzonen, die in Europa besonders relevant sind: „Man muss sehr genau definieren, was gehört denn zum Salary“, so der AFLE-Manager. Gemeint sind nicht nur monatliche Zahlungen, sondern auch Sachleistungen und Unterstützung, die in vielen Programmen dazugehören können – Wohnung, Auto, Fahrtkosten, Gym, Offseason-Jobs oder andere Vorteile.
Sein Punkt: Competitive Balance entsteht nicht durch ein Schlagwort, sondern durch ein System, das alle Beteiligten akzeptieren und einhalten. Deshalb müsse es am Ende eine gemeinsame Grundlage auf Owner-Ebene geben – inklusive Konsequenzen, wenn Regeln umgangen werden: „Maßnahmen, Dinge wie Salary Cap oder auch andere Dinge einzuhalten, wird sicherlich auch ein Thema sein“, erklärte Heisler.
Homegrown-Territories: Warum „Europa offen“ aktuell nicht realistisch ist
Ein weiterer Kernpunkt der Diskussion waren die Homegrown-Regeln. Die Frage aus dem Chat war klar: Warum löst man den Homegrown-Markt nicht einfach europaweit auf, damit Spieler aus kleineren Ländern dieselben Chancen haben? Heisler bremst. Nicht aus Prinzip, sondern aus Realitätssinn.
Er argumentiert, dass es nicht nur um sportliche Fairness geht, sondern um Logistik und Lebensrealitäten: „Wir reden ja nicht nur über, wo kommen die Leute her, sondern wo müssen sie dann hin? Wie kommen sie denn dahin? Wo schlafen sie denn?“
Damit beschreibt er das Grundproblem: Wer Europa „öffnet“, braucht ein funktionierendes System für Reisen, Unterbringung und Kosten – sonst entstehen neue Ungleichheiten.
Ein Beispiel, das er mehrfach anführt, sind Lebenshaltungskosten. Schon ein scheinbar gleicher Betrag kann in verschiedenen Ländern völlig unterschiedliche Wirkung haben: „Auch tausend Euro in Portugal sind anders als tausend Euro in der Schweiz im Sommer“, sagte Heisler und nannte auch einen ähnlichen Vergleich zwischen Breslau und Kopenhagen. Seine Schlussfolgerung: Bevor man radikal liberalisiert, müsse man Lösungen schaffen, die diese Unterschiede abfedern – und genau daran arbeite man gemeinsam mit Teams und Departments.
Expansion: attraktiv, aber nicht um jeden Preis
Bei Expansionsthemen war Heisler auffallend vorsichtig. Trotz großer Ambitionen. Märkte wie London/UK gelten seit Jahren als „Traumziele“ für viele europäische Projekte. Heisler bestätigt Interesse, betont aber gleichzeitig die Hürden.
London sei sportlich und kommerziell hochattraktiv, aber zugleich einer der schwierigsten Märkte:
- garantierte Flugreisen für Teams
- große Budgetbelastung bei Gruppenflügen
- zusätzlicher Planungsaufwand durch Brexit-Rahmenbedingungen
Heisler formuliert es pragmatisch: Ein Team in London aufzubauen sei nicht daran gescheitert, dass es dort keine Menschen mit Geld gibt, sondern daran, dass es „nicht trivial“ ist, die gesamte Infrastruktur und Organisation sauber hinzubekommen.
Auch Monaco wurde konkret angesprochen, inklusive Homegrown-Frage. Heisler bestätigte, dass es für solche kleinen Territorien eine Lösung geben müsse, wollte Details jedoch noch nicht veröffentlichen: „Da wird’s auf jeden Fall eine Lösung geben… Details kann ich an dieser Stelle aber tatsächlich noch nicht spoilern“, sagte er und deutete an, dass entsprechende Veröffentlichungen vorbereitet seien, aber noch Freigaben fehlen.

Wie groß soll die Liga werden und wie sieht der sportliche Kalender aus?
Während viele Fans bei neuen Ligen sofort „20 Teams“ im Kopf haben, spricht Heisler bewusst von kontrolliertem Wachstum. Für die nahe Zukunft nannte er eine klare Planung:
- 2026: Minimum sieben, wahrscheinlich maximal acht Teams
- Sieben Teams seien aus seiner Sicht eine „schlüssige Zahl“, um sportlich rund zu spielen
- Bei acht Teams müsse man über Konferenzen sprechen
Langfristig sieht Heisler eine Größenordnung zwischen 12 und 18 Teams als realistisch und sinnvoll. Mehr als 18 bis 20 Teams hält er in Europa in den nächsten Jahren für schwer darstellbar. Nicht, weil es keine Interessenten gibt, sondern weil das sportliche System dafür stabil sein müsste.
Auch beim Saisonformat nennt er Leitlinien, die auf Belastungssteuerung abzielen. Heisler skizzierte eine Struktur, die sich sportlich bewährt habe:
14 Wochen Gesamtzeitraum
- 2 Bye Weeks
- 12 Spielwochen
- 6 Heim- und 6 Auswärtsspiele
Er betonte dabei, dass die körperliche Belastung und die Qualität der Spiele zentrale Faktoren bleiben.
Regelbuch, Officiating und Transparenz: Offenheit ja – aber mit Bedacht
Ein spannender Punkt aus journalistischer Sicht: die Frage, ob es ein öffentliches Regelbuch geben wird. Heisler zeigt sich grundsätzlich offen, will aber die Entscheidung nicht allein treffen:
„Ich fände es tendenziell gut, wenn wir das machen“, sagte er und verwies darauf, dass Sport- und Officiating-Department hier den Ton angeben sollen.
Gleichzeitig benennt er eine Konsequenz, die in der Praxis oft unterschätzt wird: Ein öffentliches Regelwerk kann Diskussionen nicht nur erleichtern, sondern auch den Druck auf Schiedsrichter erhöhen. Heisler beschreibt das Bild, das viele kennen: Jeder wird am TV schnell selbst zum Ref, Coach oder Nationaltrainer.
Er verweist damit auf das Spannungsfeld: Transparenz ist gut, aber sie muss in ein Gesamtpaket aus Kommunikation, Ausbildung, Bewertungssystemen und Schutz für Offizielle eingebettet sein.
Live-Stats und sportliches Produkt: NFL-Tools als Qualitätsanspruch
Beim Thema Daten und Spielbegleitung kündigte Heisler an, dass es Live-Stats geben wird und dass man dafür auf ein Tool setzt, das auch in der NFL genutzt wird: Stats Perform. Seine Aussage ist dabei ein klares Signal, wo die AFLE qualitativ hinwill: „Wenn es für die Fans das Beste ist… und wenn es das ist, was auch die NFL benutzt… dann versuchen wir, das rauszubekommen“, erklärte er. Dazu nannte er auch den Anspruch, die Genauigkeit zu evaluieren und Prozesse zu verbessern, also nicht nur „Stats anbieten“, sondern sie messbar besser zu machen.
Fazit: Anspruch ist hoch – der Weg soll realistisch bleiben
Die AFLE positioniert sich in Heislers Aussagen sportlich klar: Wettbewerb soll fairer werden, Strukturen sollen greifen, Wachstum soll kontrolliert laufen. Der CEO betont immer wieder, dass Europa nicht die USA ist und dass man europäische Unterschiede nicht wegreden kann, sondern in Regeln und Prozesse übersetzen muss.
Ob Salary Cap, Homegrown-Regeln, Expansion oder Saisonformat: Das Leitmotiv ist nicht „größer, schneller, lauter“, sondern „planbar, belastbar, langfristig“. Heislers Satz zur Grundidee passt am Ende zu allem: Möglichst viele Teams sollen realistisch um Titel spielen können – und das Produkt soll so gut sein, dass es sich durch Qualität trägt.
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