Foto: Foot Bowl/Marcel Heinisch
Einordnung eines schweren Schrittes
Die Paderborn Dolphins werden in der Saison 2026 nicht in der Erima GFL antreten. Stattdessen zieht sich der Verein mit seiner ersten Mannschaft freiwillig aus der höchsten deutschen Spielklasse zurück und plant einen sportlichen Neuanfang in der Regionalliga. Die Entscheidung fiel nach intensiven Gesprächen mit dem Verband und innerhalb des Vereins und sie hatte vor allem einen Grund: eine kurzfristig aufzubringende, hohe fünfstellige Summe im Rahmen des Lizenzverfahrens.
Geschäftsführer und Head Coach Jason Irmscher äußerte sich in einem ausführlichen Gespräch offen zur Situation und sprach dabei über finanzielle Realitäten, emotionale Belastungen und die Perspektive des Vereins.

Offizielle Entscheidung gegen die GFL
Irmscher bestätigte zunächst, dass der Schritt bewusst und nicht überraschend erfolgte.
„Diese Insiderinformationen sind richtig. Wir werden 2026 nicht in der GFL spielen. Intern haben wir das bereits kommuniziert, heute folgt die offizielle Mitteilung.“
Damit steht fest: Die Dolphins ziehen ihren Lizenzantrag zurück und akzeptieren den sportlichen Abstieg, um größere Risiken zu vermeiden.
Finanzielle Realität als entscheidender Faktor
Im Zentrum der Entscheidung stand eine Summe, die innerhalb kürzester Zeit hätte aufgebracht werden müssen.
„Es handelt sich um einen sehr hohen fünfstelligen Betrag, den wir hätten aufbringen müssen – und das innerhalb von 24 Stunden.“
Irmscher machte deutlich, dass es dabei nicht um langfristige Planungen ging, sondern um eine kurzfristige Absicherung, die unter den gegebenen Umständen nicht realistisch darstellbar war.
„Ich mag Herausforderungen und Herkulesaufgaben. Aber das hier wäre nicht smart gewesen. Die bessere Lösung war, den Lizenzantrag zurückzuziehen.“
Gespräche mit Verband und Liga
In den Tagen vor der Entscheidung stand der Verein im engen Austausch mit dem AFVD und der GFL. Die Rückmeldungen seien dabei klar, aber auch unterschiedlich gewesen.
„Die GFL hat versucht, uns zu halten. Axel Streich ist das Thema wirtschaftlich angegangen, Torben Dill hat bis zur letzten Sekunde gekämpft.“
Gleichzeitig räumte Irmscher ein, dass die Auflagen letztlich nicht erfüllt werden konnten.
„Wir konnten einfach nicht die Möglichkeiten vorlegen, dass man mit gutem Gefühl sagen kann: Hier ist eure Lizenz.“
Spendenaufruf: Rettung des Vereins, nicht der GFL-Lizenz
Wichtig ist die Einordnung des zuvor gestarteten Spendenaufrufs. Dieser diente nicht der Finanzierung der GFL-Lizenz, sondern war notwendig, um bestehende Verbindlichkeiten zu begleichen und den Fortbestand des Vereins zu sichern. Die Dolphins standen zu diesem Zeitpunkt vor dem kompletten Aus.
Irmscher bedankte sich ausdrücklich für die Unterstützung aus der Football-Community.
„Wir haben über 200 Spenden von über 200 unterschiedlichen Menschen bekommen. Das zeigt, welchen Stellenwert Football in Paderborn hat.“
Der Verein konnte dadurch akute Verpflichtungen erfüllen – unabhängig vom späteren Rückzug aus der GFL.
Freiwilliger Schritt statt unkalkulierbares Risiko
Auf die Frage, ob ein GFL-Start theoretisch noch möglich gewesen wäre, stellte Irmscher klar:
„Wir haben uns dazu entschieden, zurückzuziehen. Alles andere wäre eine extreme Herkulesaufgabe gewesen.“
Dabei gehe es nicht um fehlenden Willen, sondern um Verantwortung gegenüber Verein, Spielern und Umfeld.
„Manchmal muss man drei Schritte zurückgehen, um langfristig wieder nach vorne zu kommen.“
Neuanfang mit klarer Zielsetzung
Trotz des sportlichen Rückschlags richtet Irmscher den Blick nach vorne. Sein Ziel ist klar formuliert.
„Mein klares Ziel ist es, 2026 direkt wieder aufzusteigen. Wir wollen schnell zurück in die GFL2.“
Dabei soll vor allem die Vereinsstruktur gestärkt werden.
„Unser Herzstück ist die Jugend. Darauf müssen wir aufbauen. Wir wollen ein sauberes Fundament schaffen, damit so eine Situation nicht noch einmal entsteht.“
Verantwortung und Kritik
Irmscher zeigte sich auch selbstkritisch und nahm öffentliche Kritik bewusst an.
„Wenn die Leute einen Schuldigen suchen, dann gerne mich. Ich habe mich vor Jahren entschieden, das Gesicht der Dolphins zu sein.“
Gleichzeitig betonte er, dass Schuldzuweisungen dem Verein nicht helfen würden.
„Das ist ein Weg gewesen mit mehreren Fehlern, die aus Unwissenheit entstanden sind. Jetzt wissen wir, woran wir arbeiten müssen.“
Blick nach vorn
Abschließend machte Irmscher deutlich, dass der Rückzug kein Ende, sondern ein Neustart ist.
„Ich werde weiterhin Geschäftsführer und Head Coach sein – egal in welcher Liga. Und ich werde alles daran setzen, dass wir zurückkommen.“
Die Dolphins akzeptieren die bittere Pille, mit dem klaren Anspruch, gestärkt daraus hervorzugehen.






