Fred Armstrong zählt zu den US-Coaches, die den europäischen Football seit Jahren prägen und verstehen. Nach seiner Zeit als Head Coach der Leipzig Kings (2021–2022) und zuletzt als Assistant Head Coach bei Rhein Fire in der Saison 2025 steht nun fest: Armstrong verlässt Rhein Fire und übernimmt 2026 eine Schlüsselrolle bei den Prague Lions.
Doch warum kam es zur Trennung mit Rhein Fire und warum fiel die Entscheidung ausgerechnet auf Prag?
Keine Entscheidung gegen Rhein Fire – sondern für einen anderen Weg
Im Gespräch mit Foot Bowl machte Armstrong deutlich, dass sein Abschied keine Trennung im Streit war. Vielmehr seien die Vorstellungen darüber auseinandergegangen, wie seine Rolle innerhalb der Organisation künftig aussehen sollte – insbesondere abseits des Spielfeldes.
„Das, was ich bei Rhein Fire umsetzen wollte, hat einfach nicht gepasst. Ich hatte klare Vorstellungen davon, wie ich die Organisation unterstützen könnte, aber das entsprach nicht ihrer Vision. Rhein Fire hat seinen eigenen Weg und den respektiere ich vollkommen.“
Armstrong hatte geprüft, ob er nach personellen Veränderungen stärker in organisatorische Abläufe eingebunden werden könnte. Diese Ideen ließen sich jedoch nicht mit der strategischen Ausrichtung von Rhein Fire vereinbaren. Für ihn war klar: Lieber ein sauberer Schnitt als ein Kompromiss, der langfristig nicht trägt.
„Ich wünsche Rhein Fire wirklich nur das Beste. Sie haben ihre Struktur und ihre Vorstellung davon, wie sie sich weiterentwickeln wollen.“
AFLE / The League vs. ELF – eine Spaltung, die dem Football schadet
Der Wechsel bedeutet für Armstrong nicht nur einen Teamwechsel, sondern auch ein Verbleib in der ELF-Struktur. Rhein Fire hingegen schließt sich der AFLE an. Für Armstrong steht dabei weniger die Frage „Liga gegen Liga“ im Vordergrund, sondern die grundsätzliche Entwicklung des europäischen Footballs.
Armstrong spricht offen über die aktuelle Situation:
„Europa ist zu klein, um gespalten zu sein. Ohne Spieler, ohne Coaches und ohne Schiedsrichter gibt es kein Produkt. Kein Fernsehen, keine Liga, nichts.“
Besonders kritisch sieht er strukturelle Unsicherheiten, verspätete Zahlungen und mangelnde Absicherung verletzter Spieler. Gleichzeitig betont er, dass beide Seiten versuchen, Lösungen zu finden – die Unzufriedenheit richte sich nicht gegen einzelne Personen, sondern gegen fehlende Stabilität.
„Wenn wir professionellen Football spielen wollen, dann müssen wir auch professionell handeln. Geld, Struktur und Verlässlichkeit sind dafür unerlässlich.“
Nach Armstrongs Einschätzung ist 2026 ein Übergangsjahr, in dem viele Organisationen schlicht spielen wollen, um handlungsfähig zu bleiben. Eine nachhaltige Lösung erwartet er frühestens ab 2027.
„Das nächste Modell, das wir in Europa etablieren, muss das endgültige sein. Ich habe das jetzt über drei Jahrzehnte beobachtet – ein weiteres Scheitern dürfen wir uns nicht leisten.“

Warum die Prague Lions?
Inmitten dieser Unruhe suchte Armstrong vor allem eines: Stabilität, klare Führung und Menschen, die Football spielen wollen, weil sie ihn lieben. Genau das sieht er bei den Prague Lions.
Zur Saison 2026 übernimmt er dort den Posten des Assistant Head Coach und Offensive Coordinators. Besonders überzeugt haben ihn Head Coach James Brooks, Defensive Coordinator Dan Dish sowie das gesamte Umfeld der Organisation.
„Ich wollte einen Ort finden, an dem sauber gearbeitet wird, an dem Spieler wirklich Football spielen wollen und an dem eine stabile Organisation dahintersteht.“
Sportlich sieht Armstrong in Prag großes Potenzial. Mit Quarterback Jalen Henderson, dem vielseitigen Willie P. sowie mehreren talentierten Homegrowns ist die Basis für seine Offensive gelegt. Ein besonderer Fokus soll auf der Offensive Line liegen, um der Offense mehr Stabilität und Durchschlagskraft zu verleihen.
Fred Armstrongs Abschied von Rhein Fire ist kein Bruch, sondern eine bewusste, reflektierte Entscheidung in einer Phase, in der sich der europäische Football neu sortieren muss. Seine Aussagen zeigen Frustration, aber auch Erfahrung, Klarheit und den Wunsch nach nachhaltigen Strukturen. Mit den Prague Lions findet Armstrong ein Umfeld, das seinen Vorstellungen entspricht: klare Organisation, sportlicher Hunger und Football im Mittelpunkt. Für Prag ist es ein Gewinn an Erfahrung, für Armstrong die Chance, erneut aktiv an der Zukunft des europäischen Footballs mitzuwirken.
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