Die Glasgow Tartans sind eines von zwei UK-Teams in der International Arena League (IAL) und gehen 2026 in die Premieren-Saison. Insgesamt umfasst die Liga zehn Teams: fünf in den USA, fünf in Europa. Ein Format, das nicht weniger will als den Spagat zwischen zwei Kontinenten.
An der Seitenlinie in Glasgow steht der amerikanische Head Coach Philip Garcia. Im Podcast „Roughing The Podcaster“ sprach Garcia nicht nur über Spielstile im Arena Football, sondern über Identität, Erwartungshaltung und warum diese Liga für Europa eine echte Bewährungsprobe werden könnte.

Garcia ist kein Coach für leise Zwischentöne. Er klingt wie jemand, der nach Glasgow gekommen ist, um etwas aufzubauen, aber auch, um Maßstäbe zu setzen. Für ihn ist dieses Projekt nicht „nett“, nicht „spannend“, nicht „mal gucken“. Es ist ein Statement.
„Ich bin ehrlich: Ich will kein Spiel verlieren. Das ist immer mein Ziel. Aber noch wichtiger ist, dass wir der Welt zeigen möchte, dass Football überall gespielt wird. Eines meiner größten Ziele ist es, den Jungs das Selbstvertrauen zu geben, mit einigen der besten Spieler der Welt auf dem Feld zu stehen. Und was die Liga angeht: Ich kann mir vorstellen, dass das riesig wird – mit Teams in Japan, China oder Kanada. Ein komplett globales Erlebnis.“
Damit ist die Messlatte gesetzt: sportlich und emotional. Und genau da trifft er den Kern dessen, was Glasgow in der IAL sein soll: nicht nur ein neues Team, sondern eine Bühne für eine ganze Football-Kultur, die oft unterschätzt wird.
Stolz ist Programm und Glasgow soll ihn tragen
Garcia beschreibt seine Spieler nicht als „Projekt“, sondern als Gruppe, die vor allem eines nicht akzeptiert: bloßgestellt zu werden. Arena Football ist eng, laut, direkt und gnadenlos ehrlich. Du kannst dich nicht verstecken. Du kannst nicht in Schönheit untergehen. Du stehst da, im wahrsten Sinne, im Schaufenster.
„Die Jungs, die ich bisher verpflichtet habe, wollen nicht bloßgestellt werden. Das ist eine Sache des Stolzes. Für sie ist es Stolz – weil sie so heiß darauf sind. Sie wollen, dass es losgeht. Da sind welche dabei, die würden am liebsten morgen starten. Sie sind einfach total bereit, Schottland zu repräsentieren.“
Und genau dieses „Schottland repräsentieren“ zieht sich wie ein roter Faden durch Garcias Aussagen. Er will die Tartans nicht als Anhängsel in der IAL verstanden wissen, sondern als eigenständiges, selbstbewusstes Projekt – mit klarer Kante.
„Schottland ist wahrscheinlich das am meisten unterschätzte Hidden Gem überhaupt. Es gibt so viele Ballers aus Schottland – aber wenn du sie fragst, wo sie herkommen, sagen sie nur ‚UK‘. Sie sagen nie ‚Scotland‘.“
Und daraus leitet Garcia direkt einen Auftrag ab – nicht nur für seine Spieler, sondern für das gesamte Projekt Glasgow: Sichtbarkeit schaffen. Identität zeigen. Präsenz erzeugen. Und ja: Social Media als Verstärker nutzen, nicht als Deko.
„Ich will, dass dass die Spieler ihr Land auf die Football-Landkarte packen. Wir sind jetzt im Zeitalter von Social Media. Was wäre ein besserer Weg, als über Social Media und diese neue Liga?“
Der Reality-Check heißt Utah und der kommt schneller, als viele denken
So viel Pathos, so viel Stolz und dann kommt der harte Cut: USA-Conference. Interconference Game gegen die Utah Great 8s. Garcia macht keinen Hehl daraus, dass für viele europäische Spieler eine Begegnung mit einem rein amerikanischen Team wie ein Sprung in kaltes Wasser sein wird. Und er sagt es nicht als Drohung. Er sagt es als Realität.
„Wenn wir nach Utah gehen, werden manche Jungs sehen, wie es wirklich ist. Du spielst gegen ein Team voller Amerikaner, ehemalige Division-I-Leute – und da waren sogar Typen dabei, die in der Packers-Organisation waren. Einer meinte zu mir: ‚Coach, die haben jemanden von den Green Bay Packers geholt.‘ Und ich habe gesagt: Ja – willkommen im Football.“
Der Punkt ist: Das ist nicht nur ein „stärkerer Gegner“. Das ist eine andere Welt. Eine andere Härte. Ein anderer Speed. Garcia erwartet, dass das einige schockt und dass es trotzdem genau richtig ist.
„Ich glaube, einige werden ein böses Erwachen erleben.“
Und er erklärt auch, warum genau das nicht im Training zu simulieren ist.
„Preseason ist dafür da, um dich ans Arena Game zu gewöhnen. Aber wenn du über Physis und Tempo sprichst – das bekommst du nur, wenn du gegen ein All-American-Team spielst.“
Genau hier passt auch ein Detail, das für Europa extrem spannend ist: Die Tartans werden Preseason-Spiele bestreiten und das erste Preseason-Game ist in Deutschland.
„Unser erstes Preseason-Spiel wird in Stuttgart stattfinden. In der Stallions Arena. Das ist ein dreitägiges Event.“
Stuttgart als Einstieg. Drei Tage Event-Charakter. Für eine neue Liga ist das nicht nur Testlauf. Das ist Marketingmoment, Standortbestimmung und Qualitätscheck in einem.
Arena Football: Keine Ausreden, keine Out of Bounds, keine Distanz
Wer Arena Football nur als „kleineres Feld“ beschreibt, verpasst das Entscheidende. Für Garcia ist es eine Sportart, die dich zwingt, Präsenz zu zeigen – körperlich und mental. Die Regeln erzeugen ein Spielgefühl, das näher an Eishockey als an klassischem Football ist: kurze Wege, hohe Frequenz, viel Kontakt, viel Emotion.
„Es gibt kein raus aus dem Feld laufen mehr, kein Out of Bounds. Der Receiver kann, während er den Ball fängt über die Bande geschleudert werden. Arena Football ist schnell. Es gibt deutlich mehr Kontakt, mehr Trash Talk.“
Und genau an dieser Stelle kommt die Philosophie der Liga ins Spiel. Ein Punkt, den die Verantwortlichen der IAL unbedingt haben wollen: Der Liga-Owner fordert Authentizität.
„Der Besitzer der Liga will Echtheit. Er will, dass Spieler Emotionen zeigen. Er will das alles. Er will, dass die Spieler mit den Fans interagieren. Im europäischen Football hast du oft eine Laufbahn zwischen Feld und Tribüne – die Fans sind nicht so nah dran. Hier ist es wirklich ganz nah.“
Das ist der IAL-Claim in Worten: Authentizität statt sterile Show. Nähe statt Distanz. Football zum Anfassen. Und wenn Garcia darüber spricht, klingt das nicht wie ein Marketing-Satz, sondern wie ein Versprechen, das man entweder einlöst oder vor Publikum scheitert.
Und auch taktisch setzt Garcia ein Statement: Glasgow ohne Kicker
Arena Football hat Kickoffs und Field Goals – Garcia weiß das. Aber er entscheidet sich bewusst dagegen, den „klassischen“ Weg zu gehen. Nicht, weil er nicht könnte. Sondern weil er das Spiel anders erzählen will: aggressiver, mutiger, aufregender.
„Es gibt zwar einen Kicker im Arena Football. Aber ich werde keinen Kicker einsetzen. Die Field-Goal-Stangen sind nicht so breit. Ich gehe lieber für Two-Point – das macht das Spiel spannender.“
Das ist typisch Garcia: Entscheidungen, die nicht nur sportlich sind, sondern auch eine Botschaft senden. Die Tartans kommen unter Garcias Leitung nicht, um einfach nur mitzuspielen. Sie kommen, um um der Liga den schottischen Stempel aufzudrücken, sie kommen um die IAL zu prägen.
Recruiting mit Grenzen und trotzdem mit klarer Richtung
Ein weiterer, sehr „Football“-naher Teil seines Talks: Roster-Bau. Denn bei aller Vision bleibt die Realität: Du hast nicht unbegrenzt Spots. Und Garcia beschreibt recht nüchtern, wie selektiv er sein muss und wie sehr er die schottische Basis stärken will.
„Wir dürfen nur 20 Jungs haben. Ich muss noch selektiver sein. Im Großen und Ganzen versuche ich, die besten schottischen Jungs zu bekommen.“
Und wenn er von „Attitude“ spricht, meint er nicht „gute Laune“. Er meint Haltung, Härte, Resistenz gegen Druck – das, was in engen Arenen und gegen US-Tempo über Sieg oder Untergang entscheidet.
„Attitude. Du musst Attitude haben. Wenn du keine Attitude hast, dann hast du in der IAL nichts verloren!“
Garcia setzte direkt nach: Wer weich ist, wird geschluckt. Wer sich duckt, wird überrollt.
Glasgow als Sportstadt: Potenzial für etwas, das bleibt
Am Ende des Gesprächs wird Garcia wieder größer. Weg von Spielzügen, hin zu Stadt, Kultur, Nachwuchs. Glasgow sei eine Sportstadt und genau deshalb könne Football hier wachsen. Nicht sofort auf dem Level von Fußball oder Eishockey, sagt er. Aber mit einer Perspektive, die sich langfristig einnistet.
„Glasgow ist eine riesige Sportstadt. Und Football ist hier nicht auf dem Level von Eishockey oder Fußball – ehrlich gesagt ist hier nichts auf dem Level. Aber hier kann das groß werden. Mit Kids, die es spielen, mit einer Academy. Es gibt Kindern etwas, worauf sie hinarbeiten können. Und dann hast du kleine Kids, die irgendwann ‚Mini-Tartans‘ sein wollen.“
Das ist die Vision, die über 2026 hinausgeht: Glasgow als Standort, der nicht nur ein Team bekommt – sondern eine Football-Identität.
Fazit: Glasgow bekommt kein „Projekt“ – Glasgow bekommt eine Ansage
Die Glasgow Tartans treten 2026 in eine Liga ein, die bewusst auf Kontrast setzt: Europa gegen USA, Tradition gegen Experiment, Distanz gegen Nähe. Philip Garcia passt in dieses Format wie ein Zündfunke: klare Sprache, klare Ansprüche, klare Haltung.
Preseason inklusive dreitägigem Stuttgart-Event, ein Spielstil, der „real close“ sein will, ein Team, das Schottland sichtbar machen soll und ein Head Coach, der keinen Zweifel lässt, worum es geht: nicht nur teilnehmen, sondern prägen.
Glasgow bekommt also nicht nur ein neues Team. Glasgow bekommt Intensität, Mentalität und Identität, angeführt von einem Coach, der keine Kompromisse kennt.







