Foto: Foot Bowl/Björn Hinghaus
Der erste Gold Bowl der AFLE soll nicht nur sportlich zum großen Finale der Premierensaison werden. Die „The League Europe“ plant für den 6. September in der Schauinsland-Reisen-Arena in Duisburg offenbar auch einen spektakulären Weltrekordversuch. Nach Informationen der Football-Aktuell-Redaktion wurden zahlreiche Cheerleading-Vereine angeschrieben und dazu eingeladen, Teil des größten Cheerleading Dance der Welt zu werden. Rund 1.500 Cheerleader aus ganz Deutschland sollen während der Halbzeitshow gemeinsam auf dem Feld stehen. Damit soll ein offizieller Guinness-Weltrekord aufgestellt werden. Der bisherige Rekord liegt bei 1.371 Teilnehmern und besteht bereits seit 2015. Damals stellte die japanische Wing Dance Promotion Co., Ltd. die Bestmarke im Maihama Amphitheater in Urayasu auf. Mehr als zehn Jahre später möchte die AFLE diesen Rekord nun nach Deutschland holen und gleichzeitig eine möglichst große Bühne für ihr erstes Championship Game schaffen.
Weltrekordversuch mit 1.500 Cheerleadern
Das der Football-Aktuell-Redaktion vorliegende Anschreiben zeigt, dass die Planungen bereits weit fortgeschritten sind. Unter dem Motto „Werdet Teil eines Guinness-Weltrekordes“ wirbt die Liga um Cheer-Dance-Teams sämtlicher Leistungsstufen. Erwachsene und Kinder können teilnehmen. Geplant ist ein fünf bis sechs Minuten langer Cheer Dance ohne Stunts. Choreografie und Musik werden von den Organisatoren gestellt. Den Vereinen soll dies rechtzeitig vor dem Finale als Lernvideo zur Verfügung stehen. Die Teams treten in ihren eigenen Vereinsuniformen an. Am 6. September ist die Ankunft in Duisburg gegen 10 Uhr vorgesehen. Gegen 12 Uhr soll eine gemeinsame Probe auf dem Spielfeld stattfinden. Der Gold Bowl beginnt um 15.30 Uhr, der eigentliche Weltrekordversuch ist für die Halbzeit gegen 17.30 Uhr geplant. Nach Angaben im Anschreiben befindet sich die AFLE direkt mit Guinness World Records und deren Consultancy in Abstimmung. Datum und grundsätzliche Machbarkeit des Versuchs seien bereits bestätigt. Damit der bestehende Rekord tatsächlich fällt, müssen am Ende mindestens 1.372 Teilnehmer nach den Vorgaben von Guinness anerkannt werden. Die angepeilten rund 1.500 Cheerleader würden der Liga also einen gewissen Puffer verschaffen.
Marketing-Coup
Für die AFLE wäre ein erfolgreicher Weltrekord ohne Zweifel ein gewaltiger Marketing-Erfolg. 1.500 Cheerleader gleichzeitig auf dem Feld, ein offizieller Guinness-Weltrekord und die Bilder davon im Fernsehen könnten dem Gold Bowl Aufmerksamkeit weit über die Football-Szene hinaus verschaffen. Laut dem Anschreiben soll die Halbzeitshow live auf Sport1 und auch im World Feed zu sehen sein. Die teilnehmenden Vereine sollen im Broadcast auf einer sogenannten „Wall of Clubs“ genannt werden und anschließend professionell produziertes Material für ihre eigenen Kanäle erhalten. Für sämtliche Teilnehmer ist die Aktion kostenlos. Dazu kommen kostenlose Parkmöglichkeiten für Autos und Busse, eine eigene Aufenthalts- und Vorbereitungshalle sowie Wasser und weitere Produkte während des Tages. Gerade für kleinere Cheerleading-Vereine ist das eine durchaus außergewöhnliche Möglichkeit, sich auf einer großen Bühne zu präsentieren. Gleichzeitig ist die organisatorische Aufgabe nicht zu unterschätzen. Rund 1.500 Menschen müssen registriert, koordiniert und entsprechend der Guinness-Vorgaben auf das Feld gebracht werden. Schon eine größere Zahl kurzfristiger Absagen oder nicht anerkannter Teilnehmer könnte den vergleichsweise kleinen Vorsprung auf den bestehenden Rekord schnell aufzehren.
Freikarten sollen Vereine und Fans locken
Interessant ist die Aktion allerdings auch aus einem anderen Grund. Die AFLE macht den Vereinen und ihrem Umfeld ein äußerst großzügiges Angebot. Aktive Cheerleader erhalten nicht nur freien Eintritt zum Gold Bowl, sondern laut dem Schreiben sollen auch genügend Freitickets für den gesamten Anhang zur Verfügung stehen. Familienmitglieder, Freunde und weitere Begleitpersonen könnten damit ebenfalls kostenlos ins Stadion kommen. Zusätzlich erhält jeder teilnehmende Verein einen eigenen Ticketlink und einen Code. Käufer bekommen darüber 15 Prozent Rabatt, während zehn Prozent des Verkaufspreises an den jeweiligen Verein zurückfließen sollen. Damit möchte die AFLE den Clubs unter anderem die Finanzierung ihrer Anreise erleichtern. Für die Liga hat das gleichzeitig einen willkommenen Nebeneffekt: Der Weltrekordversuch könnte eine erhebliche Zahl zusätzlicher Menschen in die Schauinsland-Reisen-Arena bringen.
Ticketverkauf offenbar noch überschaubar
Das ist deshalb interessant, weil der bisherige Vorverkauf für das erste AFLE-Endspiel nach Beobachtungen aus dem Umfeld des Ticketverkaufs noch überschaubar sein soll. Nach Informationen und Beobachtungen, die Football-Aktuell vorliegen, dürften bislang lediglich etwa 3.000 bis 4.000 Tickets abgesetzt worden sein. Eine offiziell bestätigte Verkaufszahl der AFLE liegt der Redaktion nicht vor, weshalb diese Größenordnung entsprechend vorsichtig eingeordnet werden muss. Sollte sie allerdings annähernd stimmen, wäre das für ein Finale in der mehr als 30.000 Zuschauer fassenden Duisburger Arena ernüchternd. Bis zum 6. September bleibt der Liga zwar noch knapp ein Monat Zeit und erfahrungsgemäß werden gerade im Football viele Tickets erst kurzfristiger verkauft. Trotzdem wäre eine solche Ausgangslage ein deutlicher Hinweis darauf, wie groß die Herausforderung für die noch junge Liga beim Aufbau einer ausreichend großen Zuschauerschaft tatsächlich ist.
Duisburg 2023 als kaum vergleichbarer Maßstab
Der Vergleich mit dem europäischen Football-Finale von 2023 drängt sich dennoch auf. Damals fand bereits das Championship Game der European League of Football in Duisburg statt. 31.500 Zuschauer kamen in die Schauinsland-Reisen-Arena, das Stadion war ausverkauft. Rhein Fire erreichte am Ende tatsächlich das Finale und gewann dort gegen Stuttgart Surge die Meisterschaft. Den damaligen Zuschauererfolg allerdings ausschließlich damit zu erklären, dass Fire im Endspiel stand, würde zu kurz greifen. Als die ELF lange vorher mit dem Verkauf der Tickets für das Championship Game begann, konnte schließlich niemand wissen, ob Rhein Fire tatsächlich das Finale erreichen würde. Auch beim diesjährigen Gold Bowl besteht derzeit die Möglichkeit, dass Rhein Fire den Sprung nach Duisburg schafft. Ein potenzieller Finaleinzug eines populären Teams kann den Verkauf in den letzten Wochen erheblich beschleunigen, erklärt aber nicht allein den enormen Unterschied zwischen den Dimensionen beider Veranstaltungen.
AFLE fehlen die deutschen Zugpferde
Die entscheidende Differenz liegt vielmehr in der damaligen Strahlkraft der ELF und der heutigen Ausgangslage der AFLE. Die European League of Football hatte 2023 insbesondere in Deutschland eine wesentlich größere Präsenz. Sechs deutsche Franchises waren damals Teil der Liga. Rhein Fire verfügte über eine enorme Anhängerschaft, Frankfurt Galaxy brachte ebenfalls große Zuschauermengen in die Stadien und auch die Hamburg Sea Devils hatten sich eine beträchtliche Fanbasis aufgebaut. Hinzu kamen weitere deutsche Standorte und eine Liga, die zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Jahre daran gearbeitet hatte, ihre Marke und ihr Championship Game zu etablieren. Deutschland als Austragungsort für das Finale war deshalb unabhängig von der späteren Qualifikation Rhein Fires naheliegend. Die Situation hat sich seitdem grundlegend verändert. Frankfurt Galaxy spielt inzwischen in der konkurrierenden EFA, die Hamburg Sea Devils existieren nicht mehr und der europäische Spitzenfootball verteilt sich auf verschiedene Wettbewerbe. Die AFLE verfügt damit gerade in Deutschland nicht über dieselbe flächendeckende Fanbasis, auf die die ELF vor drei Jahren zurückgreifen konnte.
Deshalb wäre es auch unfair, vom ersten Gold Bowl automatisch wieder 31.500 Zuschauer zu erwarten. Gleichzeitig hat sich die AFLE selbst für die große Arena in Duisburg entschieden und muss sich damit zumindest teilweise an der Frage messen lassen, wie gut sie diese Bühne füllen kann. Ein Finale vor beispielsweise 8.000 oder 10.000 Zuschauern wäre für eine neue Liga grundsätzlich keine Katastrophe. In einem Stadion dieser Größe würde es optisch dennoch einen völlig anderen Eindruck hinterlassen als das ausverkaufte Championship Game von 2023. Genau hier könnte der Weltrekordversuch zu einem wichtigen Faktor werden. 1.500 Cheerleader allein sind bereits eine beträchtliche Zahl. Kommen dazu noch Coaches, Eltern, Geschwister, Freunde und andere Begleitpersonen mit Freikarten, könnte das Projekt mehrere Tausend zusätzliche Menschen in und rund um das Stadion bringen.
Zwischen Weltrekord und Zuschauerfrage
Daran ist grundsätzlich nichts Verwerfliches. Im Gegenteil: American Football und Cheerleading gehören traditionell eng zusammen und ein gemeinsames Großprojekt kann beiden Sportarten Aufmerksamkeit verschaffen. Die AFLE versucht offensichtlich, aus ihrem Finale mehr als nur ein Footballspiel zu machen. PowerParty, Halftime Show, Weltrekordversuch und Champions Celebration sollen aus dem Gold Bowl einen ganzen Veranstaltungstag machen. Gerade eine junge Liga muss solche zusätzlichen Anreize schaffen, wenn sie neue Zuschauer erreichen möchte. Kritisch würde es erst dann, wenn eine durch kostenlose Kontingente deutlich erhöhte Kulisse später ohne Einordnung als Beleg für einen entsprechend großen regulären Ticketverkauf dargestellt würde. Bei der Bewertung der Zuschauerentwicklung wäre deshalb Transparenz wünschenswert. Wie viele Menschen tatsächlich Tickets gekauft haben und wie viele über Cheerleading-Kontingente, Partneraktionen oder andere Freikarten ins Stadion gekommen sind, sind zwei unterschiedliche Kennzahlen.
Chance für Cheerleader-Vereine
Für die Cheerleader selbst dürfte diese Diskussion ohnehin zweitrangig sein. Für sie bietet sich die Chance, Teil eines tatsächlich außergewöhnlichen Projekts zu werden. Der bisherige Guinness-Weltrekord hat seit dem 30. August 2015 Bestand. Sollte es der AFLE gelingen, tatsächlich rund 1.500 aktive Teilnehmer aus unterschiedlichsten Vereinen nach Duisburg zu holen und die Guinness-Anforderungen zu erfüllen, wäre der Rekord nach elf Jahren gebrochen. Für die deutsche Cheerleading-Szene wäre das ein bemerkenswertes Ereignis. Und für die AFLE genau die Art von Bild, mit der sich ein neues Championship Game über die Grenzen der eigenen Liga hinaus vermarkten lässt.

Am 6. September könnten deshalb zwei Zahlen besonders interessant werden. Mindestens 1.372 anerkannte Cheerleader werden benötigt, damit die AFLE tatsächlich einen Guinness-Weltrekord feiern kann. Rund 1.500 sollen nach den derzeitigen Planungen auf dem Feld stehen. Die zweite Zahl wird erst am Veranstaltungstag feststehen: Wie viele Menschen am Ende tatsächlich auf den Tribünen der Schauinsland-Reisen-Arena sitzen. Der Weltrekordversuch könnte dabei zu einem wichtigen Baustein werden, um die Kulisse deutlich zu vergrößern. Ob der Gold Bowl darüber hinaus genügend eigene Strahlkraft entwickelt, um auch beim regulären Ticketverkauf noch kräftig zuzulegen, dürfte für die AFLE langfristig allerdings mindestens genauso wichtig sein wie der mögliche Eintrag ins Guinness-Buch.







