Foto: Foot Bowl/Rico Doninelli

Berlin Thunder hat auf dem Feld eines seiner stärksten Spiele der Saison gezeigt. Beim 47:8 bei den Paris Lights dominierte Berlin die Partie über weite Strecken, Quarterback Jakeb Sullivan stellte mit sieben Touchdown Pässen einen neuen AFLE Rekord auf und die Thunder Offense produzierte 568 Yards Raumgewinn. Doch so beeindruckend der Auftritt in Paris war, die sportlichen Nachrichten waren vor der Partie nicht das beherrschende Thema rund um das Franchise. Nur wenige Tage zuvor hatte es im Insolvenzverfahren von Berlin Thunder eine wichtige Entwicklung gegeben.

Das Amtsgericht Charlottenburg widerrief mit Wirkung zum 12. August 2026 um 13:25 Uhr den Beschluss zur Eigenverwaltung. Zum Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Prof. Dr. Torsten Martini bestellt. Personen und Unternehmen mit Verpflichtungen gegenüber dem Schuldner wurden zugleich angewiesen, Leistungen nicht mehr gegenüber dem Schuldner, sondern gegenüber dem Insolvenzverwalter zu erfüllen. Für den 9. September ist zudem eine Gläubigerversammlung am Amtsgericht Charlottenburg angesetzt, bei der unter anderem über die mögliche Wahl eines anderen Insolvenzverwalters entschieden werden kann. Für Thunder bedeutet die Entwicklung, dass die wirtschaftliche Situation der Franchise auch unmittelbar vor dem Saisonende ein bestimmendes Thema bleibt. Sportlich ließ sich die Mannschaft davon in Paris allerdings nichts anmerken.

Sullivan zerlegt die Pariser Passverteidigung

Nach einem noch nicht perfekten Beginn übernahm Berlin zunehmend die vollständige Kontrolle. Sullivan fand Bais Kouanda im ersten Viertel über 15 Yards zum 6:0 und eröffnete damit einen Nachmittag, der für den Quarterback schließlich in den AFLE Rekordbüchern enden sollte. Im zweiten Viertel folgte einer der spektakulärsten Spielzüge der Begegnung. Von der eigenen Neun Yard Linie fand Sullivan erneut Kouanda, der den Ball über 91 Yards bis in die Endzone brachte. Anschließend übernahm Jon Cole. Touchdown Pässe über zwei und 18 Yards sorgten dafür, dass Thunder bereits mit einer 24:0 Führung in die Halbzeit ging. Paris hatte durchaus Möglichkeiten, selbst Punkte zu erzielen, vergab im ersten Viertel jedoch ein Field Goal und verlor später durch eine Interception von Benedikt Ehren eine weitere vielversprechende Angriffsserie.

Quarterback Jakeb Sullivan – Foto: Foot Bowl/Rico Doninelli

Auch nach der Pause änderte sich wenig. Berlin kontrollierte das Passspiel beinahe nach Belieben und Sullivan fand im dritten Viertel erneut Cole zum Touchdown. Ein Field Goal von Nils Schauerte erhöhte zu Beginn des Schlussviertels auf 34:0, ehe Sullivan mit seinen Touchdown Pässen Nummer sechs und sieben endgültig Geschichte schrieb. Zunächst bediente er Kouanda über sechs Yards, anschließend fand er Cole über acht Yards zum 47:0. Erst vier Minuten vor dem Ende verhinderte Armand Soulerot mit einem 50 Yard Touchdown Lauf den Shutout. Die anschließende Two Point Conversion stellte den Endstand von 47:8 her.

Sieben Touchdowns und 461 Yards für Sullivan

Sullivans Zahlen unterstreichen, wie außergewöhnlich sein Auftritt war. Der Thunder Quarterback brachte 37 seiner 45 Passversuche für 461 Yards und sieben Touchdowns an den Mann. Eine Interception leistete er sich nicht. Seine Completion Rate lag bei 82,2 Prozent. Berlin kam insgesamt sogar auf 490 Passing Yards und beendete die Partie mit 568 Yards Total Offense. Besonders deutlich war der Unterschied bei den First Downs. Thunder verbuchte 32, Paris lediglich zehn. Zudem verwandelte Berlin neun von 13 Third Downs und sechs von sieben Möglichkeiten in der Red Zone.

Dabei profitierten gleich zwei Receiver massiv von Sullivans Rekordtag. Bais Kouanda fing zehn Pässe für herausragende 212 Yards und drei Touchdowns. Jon Cole kam sogar auf 14 Receptions und erzielte bei 104 Receiving Yards vier Touchdowns. Zusammen waren Kouanda und Cole damit für sämtliche sieben Touchdown Pässe verantwortlich. Auch dahinter verteilte Sullivan den Ball erfolgreich. Niklas Schumm sammelte 81 Yards, Jens Walter weitere 55. Das Laufspiel spielte angesichts dieser Dominanz durch die Luft nur eine Nebenrolle. Thunder lief lediglich 17 Mal, erzielte dabei aber immerhin 91 Yards.

Paris findet offensiv kaum Antworten

Auf der anderen Seite zeigte sich erneut, warum die Saison für die Paris Lights schwierig verläuft. Gerade im Passspiel gelang gegen Berlin nahezu nichts. Paris brachte insgesamt nur neun Pässe für 65 Yards an und blieb ohne Passing Touchdown. Evan Hillock kam auf 65 Yards und eine Interception. Deutlich besser funktionierte das Laufspiel. Die Lights erzielten 187 Rushing Yards, wobei Soulerot mit 144 Yards bei 19 Läufen herausragte. Sein 50 Yard Lauf sorgte schließlich auch für den einzigen Touchdown der Gastgeber. Insgesamt blieb die Pariser Offense mit 252 Total Yards jedoch weit hinter Berlin zurück. Besonders die Bilanz bei entscheidenden Downs war problematisch. Nur zwei von elf Third Downs wurden verwandelt, der einzige ausgespielte vierte Versuch scheiterte ebenfalls.

Für Thunder war es dagegen eine der komplettesten Vorstellungen der Saison. Die Defense ließ bis tief ins Schlussviertel keinen Punkt zu, produzierte eine Interception und eroberte zwei Fumbles. Dass Paris trotz seiner Probleme auf 187 Rushing Yards kam, dürfte allerdings ein Punkt sein, den Berlin vor dem letzten Spiel noch einmal aufarbeiten muss. Auch zehn Strafen für 97 Yards und drei eigene Fumbles, von denen einer verloren ging, zeigen, dass selbst beim deutlichen 47:8 nicht alles fehlerfrei funktionierte. Gegen Paris konnte Thunder solche Situationen problemlos auffangen, gegen stärkere Gegner können sie wesentlich größere Auswirkungen haben.

Sportliches Ausrufezeichen in wirtschaftlich unruhigen Zeiten

Damit entsteht rund um Berlin Thunder derzeit ein bemerkenswerter Gegensatz. Auf dem Platz demonstrierte die Mannschaft in Paris eindrucksvoll, welches Potenzial in diesem Kader steckt. Sullivan stellte einen neuen Touchdown Rekord auf, Kouanda und Cole waren kaum zu verteidigen und die Defense hielt den Gegner fast über die komplette Partie aus der Endzone. Abseits des Feldes geht es dagegen um wesentlich grundsätzlichere Fragen. Der Widerruf der Eigenverwaltung und die Bestellung eines Insolvenzverwalters machen deutlich, dass die wirtschaftlichen Probleme der Franchise keineswegs erledigt sind. Die für September angesetzte Gläubigerversammlung wird damit zu einem weiteren wichtigen Termin für die Zukunft von Berlin Thunder.

Sportlich wartet zunächst noch einmal der Alltag. Zum Abschluss der Regular Season kommt es zum erneuten Duell mit den Panthers Wroclaw. Nach dem 47:8 in Paris gehen die Thunder mit einem deutlichen Erfolg und einem Quarterback in Rekordform in diese Partie. Gleichzeitig dürfte Berlin auch dort eine Mannschaft sein, bei der sich sportliche und wirtschaftliche Realität derzeit kaum voneinander trennen lassen. In Paris gelang es zumindest für einige Stunden, die Schlagzeilen wieder auf das Spielfeld zu verlagern. Dort lieferte Thunder mit dem höchsten Nachdruck die passende Antwort auf eine Woche, in der zuvor vor allem das Amtsgericht Charlottenburg im Mittelpunkt gestanden hatte.

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Hendrik

Hendrik gründete Foot Bowl am 30. April 2021. Mail: footbowl@gmx.net

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