Foto: Hannes Jirgal/Vienna Vikings
Die Vienna Vikings haben am 12. Spieltag der AFLE ihre perfekte Saison verloren. Vor 4.215 Zuschauern im Wiener Sport Club Stadion unterlag das zuvor mit neun Siegen ungeschlagene Team den Panthers Wroclaw mit 31:34. Dabei sah nach einem furiosen Start zunächst vieles nach dem zehnten Wiener Erfolg aus. Die Vikings führten bereits mit 21:7 und produzierten am Ende fast 500 Yards Offense. Doch Wroclaw ließ sich nicht abschütteln, kämpfte sich zurück und drehte die Partie mit einem 89 Yard Drive in den letzten Minuten. Für die Panthers war es nicht nur der achte Saisonsieg, sondern auch der erste Erfolg überhaupt auf Wiener Boden.
Vikings starten beinahe perfekt
Wien erwischte einen Start nach Maß. Quarterback Ben Holmes fand zunächst Karri Pajarinen über 19 Yards zum ersten Touchdown und wenig später Darrell Stewart Jr. zum 14:0. Zwar antwortete Wroclaw durch einen Touchdown Pass von Jameson Wang auf Juan Flores Calderon, doch Pajarinen benötigte anschließend nur einen Spielzug, um den alten Abstand wiederherzustellen. Der Running Back brach über 57 Yards durch und stellte nach dem ersten Viertel auf 21:7. Besonders das Laufspiel der Vikings war für die Panthers kaum zu kontrollieren und sollte über den gesamten Abend hinweg für Probleme sorgen.

Doch Wroclaw blieb im Spiel. Wang bediente Mike Harley Jr. über 27 Yards und führte seine Offense wenig später aus einer denkbar schlechten Ausgangslage über das gesamte Feld. Nachdem Wien einen vierten Versuch an der Zwei Yard Linie der Panthers nicht verwandeln konnte, marschierten die Gäste 98 Yards in die andere Richtung. Flores Calderon fing seinen zweiten Touchdown und verkürzte auf 20:21. Kurz vor der Pause schlugen die Vikings noch einmal zurück. Holmes fand Stewart Jr. 14 Sekunden vor Ende der ersten Hälfte zum 28:20. Die Gastgeber hatten sich wieder etwas Luft verschafft, die Panthers aber längst bewiesen, dass sie an diesem Abend nicht verschwinden würden.
Panthers Defense dreht die Partie
Nach der Pause veränderte sich das Spiel. Wien bewegte den Ball weiterhin, konnte seine Angriffe aber nicht mehr konsequent mit Touchdowns abschließen. Gleichzeitig produzierte die Panthers Defense genau die entscheidenden Plays, die Wroclaw benötigte. Karlis Brauns fing Ende des dritten Viertels einen Pass von Holmes ab und brachte den Ball bis an die Wiener 39 Yard Linie zurück. Nur vier Spielzüge später fand Wang erneut Harley Jr. über 27 Yards zum Touchdown. Plötzlich waren die Panthers beim Stand von 26:28 wieder unmittelbar dran.
Wie teuer die vergebenen Möglichkeiten für Wien waren, zeigte sich zu Beginn des Schlussviertels. Die Vikings arbeiteten sich in einem langen Drive über 14 Spielzüge erneut tief in die Hälfte der Panthers, mussten sich jedoch mit einem 33 Yard Field Goal von Dennis Tasic zufriedengeben. Das 31:26 brachte lediglich fünf Punkte Vorsprung. Wien kam bei fünf Red Zone Besuchen nur dreimal mit einem Touchdown vom Feld, während Wroclaw jede seiner drei Möglichkeiten innerhalb der gegnerischen 20 Yard Linie in einen Touchdown verwandelte.
Wang führt den entscheidenden Drive
Vier Minuten und 29 Sekunden vor dem Ende bekam Wroclaw an der eigenen Elf Yard Linie noch einmal den Ball. 89 Yards trennten die Panthers von der Führung und mehrfach stand der Drive kurz vor dem Ende. Die wichtigste Szene kam bei einem vierten Versuch und zehn Yards an der Wiener 49. Wang blieb ruhig und fand Kacper Jaszewski für einen Raumgewinn von 32 Yards. Eine Pass Interference brachte Wroclaw anschließend unmittelbar vor die Endzone. Bartosz Woch wurde beim ersten Versuch noch gestoppt, drückte den Ball beim nächsten Spielzug aber aus einem Yard über die Linie.
Wroclaw führte erstmals an diesem Abend. Wang setzte anschließend noch einen drauf und fand Dylan St. Pierre bei der Two Point Conversion zum 34:31. Den Vikings blieben 71 Sekunden für eine Antwort. Holmes brachte sein Team noch bis an die eigene 49 Yard Linie, doch beim entscheidenden vierten Versuch fand sein Pass Philipp Haun nicht. Sechs Sekunden vor Schluss wechselte der Ballbesitz und die Panthers konnten einen der größten Siege ihrer bisherigen Saison feiern.
Jameson Wang wird zum Unterschied
Zum Gesicht des Erfolgs wurde Jameson Wang. Weil das Laufspiel der Panthers mit lediglich 37 Yards nahezu vollständig abgemeldet war, musste der Quarterback die Offensive praktisch durch die Luft tragen. Wang komplettierte 28 seiner 46 Pässe für 294 Yards und vier Touchdowns. Eine Interception leistete er sich nicht. Mike Harley Jr. fing sieben Pässe für 112 Yards und zwei Touchdowns, Juan Flores Calderon kam auf acht Receptions und ebenfalls zwei Scores. Jaszewski sammelte 83 Yards und lieferte mit seinem Catch beim vierten Versuch eines der wichtigsten Plays der Partie.
„Ich habe großen Respekt vor Wien, vor all ihren Coaches, vor Coach Calaycay und Coach Jordan. Aber wie ich schon gesagt habe, freue ich mich vor allem für diese Jungs hier. Besonders für die polnischen Spieler, die hierhergekommen sind und dieses Spiel gewonnen haben. Ich könnte nicht glücklicher und stolzer sein. Das war eine großartige Auswärtsfahrt und ein großer Sieg.“
Panthers Head Coach Dave Likins nach dem Auswärtssieg in Wien.

Auch Harley Jr. hob anschließend die Widerstandsfähigkeit seiner Mannschaft und insbesondere die Leistung seines Quarterbacks hervor.
„Dieses Spiel hat uns in gewisser Weise definiert. Wir sind ein Team, das sich verbiegt, aber nicht bricht. Jetzt müssen wir konstant bleiben und von hier an jedes weitere Spiel gewinnen. Ein großes Lob geht an Jameson Wang. Er ist ein echter Kämpfer und ohne ihn wäre das heute nicht möglich gewesen.“
Panthers Wide Receiver Mike Harley Jr. nach der Partie.
320 Rushing Yards reichen Wien nicht
Dass die Vikings dieses Spiel verloren, erscheint beim Blick auf die Statistiken beinahe kurios. Wien produzierte 498 Netto Yards und kontrollierte den Ball mehr als 36 Minuten. Allein am Boden kamen die Gastgeber auf beeindruckende 320 Yards. Pajarinen führte die Vikings mit 142 Rushing Yards bei 16 Läufen an, Johannes Schuetz steuerte 61 Yards bei, Albert Wiesigstrauch weitere 59. Selbst Quarterback Holmes erlief 58 Yards. Durch die Luft brachte er 19 von 32 Pässen für 184 Yards und drei Touchdowns an. Seine Interception im dritten Viertel leitete allerdings einen wichtigen Panthers Touchdown ein.
Gleichzeitig schadete sich Wien zu häufig selbst. Zwölf Strafen kosteten die Vikings insgesamt 125 Yards. Wroclaw wurde dagegen nur einmal für fünf Yards zurückgeworfen. Dazu kamen die nicht genutzten Möglichkeiten in der Red Zone und zwei ausgespielte vierte Versuche, die von der Panthers Defense gestoppt wurden. In einer Partie, die erst in den letzten Sekunden entschieden wurde, machten genau diese Details den Unterschied.
Panthers setzen dickes Ausrufezeichen
Für die Vikings ist die erste Saisonniederlage kein Grund zur Panik. Mit einer Bilanz von 9:1 ist das Playoff Ticket bereits sicher und Wien bleibt in einer hervorragenden Ausgangsposition. Nach der Bye Week geht es für das Team von Head Coach Chris Calaycay zu den Alpine Rams, ehe die reguläre Saison mit einem Heimspiel gegen die Firenze Red Lions endet. Dort geht es vor allem darum, sich die bestmögliche Ausgangsposition und den Heimvorteil für die Playoffs zu sichern.
Wroclaw verbessert seine Bilanz dagegen auf 8:2 und setzt kurz vor den Playoffs ein gewaltiges Ausrufezeichen. Nach einem 7:21 Rückstand, nur 37 Rushing Yards und mehr als 200 Yards weniger Gesamtoffense als der Gegner gewannen die Panthers ausgerechnet beim bis dahin ungeschlagenen Tabellenführer. Am 16. August wartet mit den London Warriors direkt die nächste wichtige Aufgabe. Nach diesem 34:31 in Wien dürfte endgültig klar sein, dass die Panthers in den Playoffs niemand gerne als Gegner haben möchte.







