Foto: Foot Bowl/JUST SHOTS

Exavier Edwards gehört seit Jahren zu den bekanntesten Importspielern im europäischen American Football. Der US-Amerikaner gewann mit den Vienna Vikings die ELF Championship, spielte anschließend für Nordic Storm und begann die Saison 2026 bei den Paris Lights in der neu gegründeten American Football League Europe. Mitten in der Saison folgte jedoch der überraschende Wechsel in die GFL zu den Berlin Rebels.

Nach seinem erfolgreichen Debüt beim 24:22-Auswärtssieg gegen seinen ehemaligen Verein, die New Yorker Lions, musste Edwards am vergangenen Wochenende mit den Rebels zwar eine 13:26-Niederlage bei den Kiel Baltic Hurricanes hinnehmen. Dennoch macht der vielseitige Defensive Back keinen Hehl daraus, dass er sich in Berlin angekommen fühlt. Im exklusiven Gespräch mit Foot Bowl spricht Edwards offen über seinen Wechsel, die Unterschiede zwischen den Ligen, seine Zeit in Wien und Kopenhagen sowie darüber, warum ihm Stabilität inzwischen wichtiger ist als alles andere.

„Ich bin einfach dankbar, in Berlin zu sein“

Wer mit Exavier Edwards spricht, merkt schnell, dass ihm eines besonders wichtig geworden ist: Ruhe. Nach den vergangenen Jahren mit zahlreichen Stationen in Europa wollte der 34-Jährige vor allem eines finden – eine Organisation, in der er sich voll auf Football konzentrieren kann. Genau dieses Gefühl habe er bei den Berlin Rebels gefunden.

„Ich bin einfach dankbar, dass ich eine so gute Organisation gefunden habe. Ich freue mich sehr, jetzt hier in Berlin zu sein und in der zweiten Saisonhälfte für die Berlin Rebels spielen zu dürfen.“

Dabei geht es ihm längst nicht nur darum, die Saison ordentlich zu Ende zu spielen. Edwards verfolgt mit seinem neuen Team ein klares Ziel.

„Mein persönliches Ziel ist es, gemeinsam mit dem Team noch einen Playoff Platz zu erreichen und einen starken Endspurt hinzulegen.“

Immer wieder fällt im Gespräch das Wort „gesegnet“. Für Edwards ist der Wechsel nach Berlin nicht einfach nur ein neuer Vertrag, sondern eine neue Chance.

„Die Berlin Rebels sind eine großartige Organisation. Ich bin wirklich dankbar für diese Chance und dafür, hier sein zu dürfen. Ich freue mich darauf, gemeinsam mit meinen Teamkollegen und der gesamten Organisation gute Leistungen auf dem Feld zu zeigen.“

Nach Stationen in der Türkei, Frankreich, Österreich, Dänemark und zuletzt Paris wirkt Edwards heute entspannter als noch vor wenigen Monaten. Genau diesen Eindruck vermitteln auch seine Antworten.

Warum er die Paris Lights verließ

Dass Edwards die Paris Lights mitten in der Saison verlassen würde, überraschte viele Football-Fans. Im Gespräch erklärt er nun erstmals ausführlich seine Beweggründe. Dabei betont er zunächst, dass seine Entscheidung nichts mit seinen Mitspielern zu tun gehabt habe.

„Es gibt kein böses Blut. Ich liebe die Homegrown Spieler dort immer noch. Ich bin an einem Punkt meiner Karriere, an dem ich wissen muss, wie die Vision einer Organisation aussieht. Was in der neuen Liga und im Management in Paris passiert ist, sah für mich einfach nicht vielversprechend aus.“

Besonders häufig spricht Edwards über Stabilität. Nach vielen Jahren in Europa wisse er inzwischen genau, worauf es ankomme und dabei spricht er auch ein Thema an, das seiner Meinung nach im europäischen Football häufig unterschätzt wird.

„Ich musste eine Buisness-Entscheidung treffen und eine Entscheidung für mehr Stabilität. Wenn du in Europa spielst, müssen sich die Spieler wertgeschätzt fühlen. Das ist aus meiner Sicht ein riesiger Punkt. Manche Spieler werden ausgenutzt. Für mich ging es darum, eine stabile und gute Organisation zu finden.“

Trotz aller Kritik hofft Edwards, dass sich die Situation in Paris und in der AFLE künftig verbessert. Persönliche Vorwürfe erhebt er dabei ausdrücklich nicht.

„Die ELF war die beste Liga Europas“

Neben seinem Wechsel sprach Edwards auch über die Entwicklung des europäischen Footballs insgesamt. Seine Meinung dazu formuliert er überraschend deutlich.

„Für mich war die ELF von 2021 bis 2025 die beste Liga, die wir je hatten. Diese geteilten Ligen gefallen mir nicht wirklich. Ich wünschte, die Ligen wären wieder zusammen. Ich hoffe einfach, dass sich der europäische Football wieder verbessert.“

Bis dahin konzentriere er sich auf seine Aufgabe in Berlin. Besonders schätzt Edwards, dass er sich wieder ausschließlich auf den Sport konzentrieren könne.

„Ich bin einfach glücklich, jetzt hier in der GFL zu sein und meinen Job zu machen. Es fühlt sich gut an, wieder in der GFL zu sein. Es ist wie ein frischer Start. Ich muss mich nicht mit Dingen beschäftigen, die außerhalb des Footballs passieren. Ich kann einfach stressfrei Football spielen.“

Auch für die GFL selbst findet er lobende Worte.

„Die GFL gibt es schon sehr lange. Deshalb machen sie offensichtlich vieles richtig.“

Wien und Kopenhagen bleiben besondere Kapitel

Fragt man Edwards nach seinen schönsten Stationen in Europa, fällt sein Blick sofort nach Österreich. Mit den Vienna Vikings gewann er 2022 die ELF Championship und entwickelte sich zu einem der bekanntesten Defensivspieler der Liga. Noch heute verbindet ihn mit dem Verein weit mehr als nur sportlicher Erfolg.

„Ich habe in Wien Freundschaften fürs Leben aufgebaut. Das ist meine Familie dort. Es ist wahrscheinlich eine meiner Lieblingsstädte überhaupt.“

Auch Jahre später reist er regelmäßig zurück.

„Ich fahre immer noch nach Wien, um etwas zurückzugeben. Ich bin Coach Chris Calaycay, Danny Mitchell und Coach Abdi unglaublich verbunden. Ich liebe diese Jungs.“

Nicht weniger positiv spricht Edwards über seine Zeit bei Nordic Storm. Und einem Geheimnis, dass viele Fans bis heute nicht wussten. Anders als Teamkollege Glen Toonga machte er seine Verletzung damals jedoch nie öffentlich.

„Viele wissen gar nicht, dass ich mir letztes Jahr ebenfalls die Achillessehne gerissen habe. Glenn hat es öffentlich gemacht. Ich nicht. Jetzt nach der Achillessehnenverletzung wieder auf diesem Niveau zu spielen, fühlt sich großartig an. Das ist ein Segen.“

Exavier Edwards (Nordic Storm, 2025) – Foto: Foot Bowl/JUST SHOTS

Auch Nordic Storm hinterließ bleibenden Eindruck.

„Das war eine großartige Mannschaft, ein großartiger Kader, großartige Menschen und Trainer. Ich würde Nordic mit Wien vergleichen. Dort wird einfach alles richtig gemacht.“

Ein besonderes Wiedersehen in Braunschweig

Dass Edwards im Jersey der Rebels ausgerechnet gegen seinen ehemaligen Verein debütierte, hätte kaum besser ins Drehbuch passen können. Beim Auswärtsspiel gegen die Braunschweig Lions feierte Berlin einen knappen 24:22-Erfolg. Für Edwards war die Partie emotional, schließlich begann 2021 bei den Braunschweigern seine Deutschland-Karriere.

„Es war schön, gegen mein altes Team zu spielen. Der Kader ist inzwischen komplett anders als damals, als ich dort gespielt habe. Aber es war schön, ein paar bekannte Gesichter wiederzusehen. Es war ein bisschen ein bittersüßes Gefühl, nach Braunschweig zurückzukommen. Aber es hat wirklich Spaß gemacht.“

Nach dem erfolgreichen Einstand folgte am vergangenen Wochenende zwar eine Niederlage gegen die Kiel Baltic Hurricanes. Edwards blickt dennoch optimistisch auf die kommenden Wochen. Für ihn steht ohnehin längst etwas anderes im Mittelpunkt.

Mehr als Football

Fast jede Antwort endet bei Edwards mit demselben Gedanken. Es geht ihm längst nicht mehr ausschließlich um Siege oder persönliche Statistiken.

„Für mich geht es nicht nur um Football. Ich liebe es, der Jugend etwas zurückzugeben. Wenn du in Europa Teil einer guten Organisation bist, dann solltest du auch etwas zurückgeben. Das ist unglaublich wichtig.“

Mit inzwischen Stationen in sechs europäischen Ländern gehört Exavier Edwards zu den erfahrensten Importspielern auf dem Kontinent. Seine Reise führte ihn von der Türkei über Frankreich, Deutschland, Österreich und Dänemark bis nach Berlin. Und obwohl er bereits Meisterschaften gefeiert, Rückschläge erlebt und mitten in der Saison den Verein gewechselt hat, blickt er ohne Reue auf seine Karriere zurück.

„Meine gesamte Reise durch Europa war ein Segen. Ich hätte nie gedacht, dass Football mich einmal so weit bringen würde. Ich liebe den europäischen Football und ich würde nichts daran ändern.“

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Hendrik

Hendrik gründete Foot Bowl am 30. April 2021. Mail: footbowl@gmx.net

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