Foto: Foot Bowl/Rico Doninelli

Berlin Thunder steht erneut vor einer ungewissen Zukunft. Im Insolvenzverfahren der Betreibergesellschaft FBG Football Berlin GmbH wurde offiziell Masseunzulänglichkeit angezeigt. Das bedeutet, dass das vorhandene Vermögen nach Angaben des Sachwalters nicht ausreicht, um sämtliche Kosten zu decken, die seit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens entstanden sind. Eine sofortige Einstellung des Spielbetriebs folgt daraus zwar nicht automatisch, dennoch hat sich die finanzielle Lage des Berliner Franchises deutlich verschärft.

Für die American Football League Europe kommt die Entwicklung zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Erst vor wenigen Monaten hatte die Liga Berlin Thunder trotz der laufenden Insolvenz in Eigenverwaltung in ihre Premierensaison aufgenommen. Damals erklärte Liga COO Moritz Heisler, dass das Franchise nicht Teil der AFLE geworden wäre, wenn die Verantwortlichen nicht von einem erfolgreichen Sanierungskurs überzeugt gewesen wären. Durch die jüngste Entwicklung gerät diese Einschätzung nun zunehmend unter Druck.

Alte Probleme kehren zurück

Die finanziellen Schwierigkeiten von Berlin Thunder kommen nicht völlig überraschend. Bereits während der Zeit in der European League of Football sorgte das Franchise wiederholt für negative Schlagzeilen. Spieler und Coaches berichteten über verspätete oder ausbleibende Zahlungen. Auch bei Stadionmieten und weiteren Verpflichtungen soll es immer wieder Schwierigkeiten gegeben haben.

Trotzdem betonte Berlin Thunder über Monate hinweg, dass die Insolvenz in Eigenverwaltung erfolgreich verlaufe und kurz vor einem positiven Abschluss stehe. Noch im Jahr 2025 erklärte Geschäftsführer Rasheed Moka gegenüber Foot Bowl, dass während der Sanierung keine neuen Schulden entstehen würden und sämtliche laufenden Kosten gedeckt seien. Die nun angezeigte Masseunzulänglichkeit zeichnet jedoch ein anderes Bild. Offenbar konnten nicht mehr alle Verpflichtungen vollständig erfüllt werden.

Sportlich mitten im Playoffrennen

Besonders brisant ist die Situation, weil Berlin Thunder sportlich weiterhin um die Playoffs kämpft. Mit vier Siegen und vier Niederlagen belegt das Franchise aktuell Rang drei in der South/East Conference. Nach der Bye Week warten mit den London Warriors, Rhein Fire und den Panthers Wroclaw gleich drei direkte Konkurrenten. Zum Abschluss der regulären Saison trifft Berlin auf die Paris Lights.

Ein vorzeitiges Ende des Spielbetriebs hätte deshalb weitreichende Folgen. Nicht nur die Zukunft des Franchises wäre betroffen. Auch der Kampf um die Playoffs, mögliche Tabellenkonstellationen und die Wertung bereits ausgetragener Spiele könnten plötzlich zur Diskussion stehen. Für die Liga wäre das sportlich und organisatorisch ein schwerer Einschnitt.

AFLE reagiert auf die Lage

Auf Nachfrage von Foot Bowl hat sich die American Football League Europe inzwischen offiziell geäußert. Das Statement wurde in der aktuellen Ausgabe der Foot Bowl Newszone auf YouTube veröffentlicht.

„Die American Football League Europe hat Kenntnis von den Geschehnissen rund um Berlin Thunder. Liga und Franchise stehen dazu in engem Austausch und arbeiten gemeinsam an einer Lösung. Berlin Thunder befindet sich diese Woche in einer Bye Week. Spekulationen über eine Nichtteilnahme am Spielbetrieb entbehren daher aktuell jeder Grundlage.“

Die Liga versucht damit zunächst, die Situation zu beruhigen. Gleichzeitig bleibt die Erklärung auffallend vage. Es wird weder erläutert, wie eine mögliche Lösung aussehen könnte, noch ob die Finanzierung des Spielbetriebs für den Rest der Saison gesichert ist.

Muss die Liga erneut helfen?

Eine mögliche Lösung wäre eine finanzielle Unterstützung durch die AFLE. Bereits im Verlauf dieser Saison sprang die Liga bei Rhein Fire ein, als Schwierigkeiten bei der Finanzierung des Stadions auftraten. Sollte sich für Berlin Thunder kein Investor finden und das Franchise den laufenden Betrieb nicht mehr selbst tragen können, müsste die Liga möglicherweise erneut eingreifen.

Damit stünde die AFLE vor einer Grundsatzentscheidung. Lässt sie eines ihrer bekanntesten Franchises während der laufenden Saison scheitern oder stellt sie weitere finanzielle Mittel bereit, um den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten? Beide Wege wären mit erheblichen Risiken verbunden.

Ein Aus mit großen Folgen

Ein Ende von Berlin Thunder wäre weit mehr als nur das Aus eines einzelnen Teams. Für die noch junge American Football League Europe wäre es ein massiver Imageschaden. Zuletzt hatten bereits schwache Zuschauerzahlen, Diskussionen um Spielverlegungen und finanzielle Schwierigkeiten einzelner Franchises für Unruhe gesorgt.

Sollte nun ein sportlicher Playoffkandidat mitten in der Saison wegbrechen, würde das die Glaubwürdigkeit der Liga erheblich beschädigen. Noch ist der Spielbetrieb nicht eingestellt und die AFLE betont, gemeinsam mit Berlin an einer Lösung zu arbeiten. Die kommenden Tage dürften dennoch entscheidend dafür sein, ob Berlin Thunder die Saison zu Ende bringen kann und wie stabil die Liga tatsächlich aufgestellt ist.

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Hendrik

Hendrik gründete Foot Bowl am 30. April 2021. Mail: footbowl@gmx.net

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