Foto: Hannes Jirgal
Die Vienna Vikings sind mit einem echten Ausrufezeichen in die neue Saison der AFLE gestartet. Vor 3.821 Zuschauern im Wiener Sport Club Stadion setzte sich das österreichische Topteam deutlich mit 49:7 gegen Berlin Thunder durch und feierte damit nicht nur den ersten Sieg der eigenen Saison, sondern auch den ersten Sieg in der Geschichte der neuen American Football League Europe überhaupt. Während die Vikings damit direkt mit einer 1:0 Bilanz in die neue Liga starten, steht Berlin Thunder nach dem Auftaktspiel zunächst bei 0:1.
Dabei begann die Partie aus Sicht der Berliner eigentlich durchaus ordentlich. Quarterback Jakeb Sullivan führte die Offense im ersten Drive bis tief in die Red Zone der Vikings. Statt der sicheren Punkte per Field Goal entschied sich Berlin allerdings dafür, den vierten Versuch auszuspielen. Die Defense der Vikings hielt stand und verhinderte die frühe Führung der Gäste. Rückblickend entwickelte sich genau diese Szene früh zu einem ersten Momentumwechsel.
Laufspiel und Offensive Line dominieren Berlin
Danach übernahm Wien zunehmend komplett die Kontrolle über die Partie. Quarterback Ben Holmes präsentierte sich extrem effizient und profitierte vor allem von einer dominanten Offensive Line, die Berlin über weite Strecken große Probleme bereitete. Bereits im ersten Viertel fand Holmes US Receiver Darrell Stewart Jr. zum ersten Touchdown der neuen AFLE Geschichte. Die Vikings führten früh 7:0 und legten im zweiten Viertel sofort nach.
Vor allem das Laufspiel der Wiener entwickelte sich im Verlauf des Spiels zu einem kaum kontrollierbaren Faktor. Karri Pajarinen und Albert Wiesigstrauch dominierten die Berliner Defense immer wieder mit explosiven Läufen und konstanten Raumgewinnen. Pajarinen erzielte 103 Rushing Yards und einen Touchdown, Wiesigstrauch kam sogar auf starke 136 Yards und ebenfalls einen Score. Insgesamt erliefen die Vikings beeindruckende 258 Yards und fünf Touchdowns am Boden.
Ben Holmes überzeugte dabei nicht nur als Passgeber, sondern auch selbst als Läufer. Der Quarterback erzielte zwei eigene Rushing Touchdowns und brachte die Vikings noch vor der Halbzeit mit 28:0 in Führung. Gleichzeitig verteilte er den Ball ruhig und kontrolliert auf mehrere Receiver und zeigte erneut, warum er seit Jahren zu den konstantesten Quarterbacks Europas gehört.
Ben Holmes lobt Teamleistung und Atmosphäre
Nach dem Spiel zeigte sich Holmes entsprechend zufrieden mit dem Auftakt.
„Ja, es fühlt sich wirklich richtig gut an. Die ganze harte Arbeit in der Offseason und im Training Camp hat sich ausgezahlt.“
Besonders die Ausgeglichenheit der Wiener Offense hob der Quarterback hervor.
„Es war eine Kombination aus allem. Das Laufspiel war stark, die Protection war richtig gut und dadurch konnte ich die freien Räume finden, die sich ergeben haben. Auch die Kommunikation an der Seitenlinie war stark, selbst wenn mal etwas nicht funktioniert hat. Wir sind einfach drangeblieben und hatten insgesamt einen sehr ausgeglichenen Angriff.“
Auch die Atmosphäre im Stadion beeindruckte Holmes sichtbar.
„Es war eine großartige Atmosphäre. Eine der coolsten, die ich je erlebt habe. Ich bin jetzt seit drei Jahren hier und wir hatten immer gute Fans, aber das hier war nochmal etwas Besonderes. Es war richtig laut. Man hat das bei wichtigen Third Downs der Defense gespürt. Und wenn wir Ruhe gebraucht haben, um offensiv zu arbeiten, haben die Fans das auch verstanden. Ich hoffe, dass sie bei jedem Heimspiel wieder so unterstützen.“
Alejandro Fernandez wird zum Albtraum für Berlin
Während die Offense der Vikings dominierte, setzte auch die Defense früh ein Statement. Besonders Pass Rusher Alejandro Fernandez spielte eine herausragende Partie. Der Spanier kam auf drei Sacks, drei Tackles for Loss sowie einen Forced Fumble und entwickelte sich schnell zum Albtraum für die Berliner Offensive Line. Gemeinsam mit Zec Golita und Florian Schmid sorgte die Defensive Front der Vikings konstant für Druck gegen Jakeb Sullivan.
Zwar brachte Sullivan am Ende 23 seiner 37 Pässe für 255 Yards und einen Touchdown an, wirklich konstanten Rhythmus fand Berlin offensiv allerdings nie. Immer wieder verhinderten Strafen, Sacks und schlechte Feldpositionen erfolgreiche Drives. Besonders die 13 Penalties für insgesamt 118 Yards belasteten die Gäste massiv.
Jakeb Sullivan kritisiert Fehler und Strafen
Sullivan analysierte die Niederlage nach dem Spiel entsprechend kritisch.
„Vienna ist ein richtig starkes Football Team. Wir haben vor allem in der ersten Halbzeit einfach zu viele Fehler gemacht und viele Strafen kassiert. Und ein Team wie Vienna nutzt solche Fehler sofort aus. Gegen solche Mannschaften darfst du dir keine Fehler erlauben. Wir haben heute viel zu viele gemacht. Jetzt müssen wir daraus lernen und uns im Laufe der Saison weiter verbessern.“
Vikings setzen frühes Zeichen in der neuen AFLE
Auch nach der Halbzeit blieb Wien die klar dominante Mannschaft. Johannes Schütz erhöhte zunächst per Touchdown Lauf auf 35:0, später sorgte Albert Wiesigstrauch für den nächsten Score der Gastgeber. Erst im Schlussviertel gelang Berlin der einzige Touchdown des Spiels. Jakeb Sullivan fand Jon Cole über 41 Yards zum zwischenzeitlichen 7:42. Cole gehörte mit acht Receptions für 136 Yards zu den wenigen konstanten Lichtblicken auf Seiten von Thunder.
Den Schlusspunkt setzte schließlich Vikings Backup Quarterback Nico Hrouda mit einem tiefen Touchdown Pass auf Noah Toure zum 49:7 Endstand. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar, dass die Vikings im ersten AFLE Spiel der Franchise Geschichte direkt ein massives Statement gesetzt hatten.
Für Vienna bedeutet der deutliche Erfolg nicht nur die Tabellenführung mit einer 1:0 Bilanz, sondern auch ein frühes Signal an die Konkurrenz. Die Mannschaft wirkte eingespielt, physisch dominant und offensiv extrem variabel. Berlin Thunder dagegen startet mit einer 0:1 Bilanz in die Saison und wird vor allem an der Disziplin sowie der Protection arbeiten müssen.
Bereits in Woche zwei warten auf beide Teams schwierige Auswärtsspiele. Die Vienna Vikings reisen zu den Wroclaw Panthers nach Breslau. Berlin Thunder trifft auswärts in Biel in der TISSOT Arena auf die Alpine Rams.







