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Das Ehepaar Sonja und Sandro Moor ist noch nicht lange Eigentümer der Helvetic Mercenaries. Im Interview mit Foot Bowl sprechen sie über eine mögliche Namensänderung, rosa Trikots und den Wunsch, ein etabliertes Franchise aufzubauen.

Foto: Helvetic Mercenaries Social Media

Wer ist denn eigentlich die Familie Moor?

Sandro:

Ich bin seit jeher ein großer Fan vom Unternehmertum und bin auch deshalb Unternehmer geworden. Inzwischen bin ich seit über 20 Jahren in verschiedenen unternehmerischen Aktivitäten tätig, die meiste Zeit zusammen mit Sonja. Uns fasziniert der tägliche Aufbau und die Optimierung von Strukturen und Organisationen. Ich selbst habe einen Background aus dem Sport. In meinen jungen Jahren habe ich Leistungssport betrieben, aber als wir unsere Unternehmen aufgebaut haben, habe ich mich davon zurückgezogen. Ich habe aber immer ein Auge darauf gehalten, was im Sportbusiness möglich ist und wollte mich da eigentlich immer engagieren und auch irgendwo etwas bewegen. All dies aber aus einem rein wirtschaftlichen Aspekt. Ich habe dann über viele Jahre hinweg verschiedene Dinge recherchiert. Über die verschiedensten Sportarten und Länder, es hat aber nie so richtig gepasst. Vor dreieinhalb Jahren bin ich dann auf die European League of Football aufmerksam geworden und habe mich durch die verschiedenen Möglichkeiten und Strukturen gekämpft.

Musste der eine den anderen überzeugen, dieses Projekt zu starten?

Sonja:

Natürlich besprechen wir solche Dinge gemeinsam und schauen uns sowas zusammen an. Alle Geschäfte, die wir haben, haben wir gemeinsam. Der eine hat ein bisschen mehr Leidenschaft für das eine, der andere für das andere. Aber wir haben das im Vorhinein geprüft und es macht absolut Sinn. Das passt auch zu unseren Werten. Wir sind nicht mit dem goldenen Löffel auf die Welt gekommen. Was wir haben, haben wir uns erarbeitet. Und was mich an diesem Sport so fasziniert? Das sind einfach Männer auf dem Platz. Wenn du siehst, wie der Zusammenhalt unter den Leuten ist, kannst du lange nach etwas ähnlichem suchen. Das ist das, was uns fasziniert. Das ist das, was wir auch im Geschäftsleben praktizieren, dieser Familiencharakter. Da hoffen wir schon, dass wir da was bewegen können. Definitiv.

Ihr wart ja auch schon Teilhaber der Cologne Centurions. Wie ging das damals aus?

Sandro:

Das ist keine einfache Frage. Wir haben immer noch Kapital in der Gesellschaft der Cologne Centurions. Aus Gründen ist dann die geplante Übernahme nicht zustande gekommen, auch weil Drittinvestoren dann doch nicht aufgetaucht sind. Man hat versucht, das Ganze rückabzuwickeln. Das hat aber leider nicht funktioniert. Also wir sind da mit einem kleinen Teil immer noch mit dabei.

Wie aktiv tätig werdet ihr bei den Mercenaries sein?

Sonja (lacht):

Ich glaube Sandro würde es nicht schaffen, sich da total rauszunehmen.

Sandro:

Grundsätzlich haben wir mit Asentiv eine große Organisation, die uns ausreichend absorbiert. Wir sind also in der Tat nicht operativ tätig. Wir haben einen General Manager, der unser vollstes Vertrauen hat und wir haben weitere fähige Leute in der Struktur. Die sind alle noch jung, aber sehr gewillt, das Franchise voranzubringen. Die führen das operative Geschäft. Wir agieren strategisch. Jetz in der Übergangsphase ein bisschen präsenter, als es vielleicht in den kommenden Jahren der Fall sein wird. Aber wir sind nicht in der operativen, sondern in der strategischen Führung. Wir versuchen natürlich, im Hintergrund unsere Beziehungen spielen zu lassen.

Wie sieht die kurzfristige Zielsetzung aus?

Sandro:

Es war eine sehr turbulente Vorbereitung. Wir haben die Leute, die die Mercenaries gegründet haben, eigentlich immer noch an der Spitze. Also diese Personen, die das Franchise eigentlich gerettet haben, sind weiterhin alle an Bord. Aus meiner Sicht haben sie eine großartige Leistung vollbracht, in dieser sehr kurzen Zeit überhaupt ein Team auf den Platz zu bringen. Ich war die letzten Tage jetzt einige Male vor Ort. Die Jungs sind sehr gewillt und motiviert. Auch der Trainerstab ist aus meiner Sicht sehr professionell. Ich habe dem Team aber auch gesagt, dass wir uns ein realistisches Ziel setzen müssen, welches aus zwei Phasen besteht. Die erste Phase beinhaltet, diese Saison 2024 gut zu überstehen. Es wird uns sportlich vielleicht nicht ganz so viel Freude bereiten, wie wir uns das erhoffen. Das ist aber unter anderem auch der fast nicht vorhandenen Vorbereitung auf und neben dem Feld geschuldet. Außerdem gehe ich davon aus, dass wir ab September einen sauberen Neustart für 2025 und die weiteren Spielzeiten haben werden.

Und habt ihr auch eine konkrete, langfristige Zielsetzung?

Sandro:

Das haben wir in der Tat noch nicht gemacht, aber auch bewusst nicht. Aber wir haben uns schon überlegt, wo wir investieren wollen und wo wir unser Commitment abgeben wollen. Man will ja nicht Eigentümer eines Teams sein, das nie etwas gewinnt, oder? Aber wir sehen schon sehr realistische Chancen, auch eine entscheidende Rolle zu spielen, was in dieser und der vergangenen Saison vielleicht nicht ganz der Fall war. Konkrete Ziele haben wir uns noch nicht gesetzt. Das hat aber auch damit zu tun, dass wir uns natürlich erst einmal zurechtfinden und die Strukturen schaffen müssen. Das hat dann auch mit der sportlichen Leitung und Verantwortung zu tun. Das werden wir dann sicherlich sehr früh in der Offseason kommunizieren, was unser Ziel für 2025, 2026 und die nächsten Jahre ist. Aber um deine Frage zu beantworten: Das Ziel ist sicherlich, eine konkurrenzfähige Mannschaft zu entwickeln und zu stellen – das Potenzial ist da.

Bleibt es bei dem Namen „Mercenaries“?

Sandro:

Also es gibt verschiedene Sichtweisen. Im Moment sind die Helvetic Mercenaries eine gute Lösung. Ich persönlich finde auch das Branding, welches die Jungs erstellt haben, sehr schön. Damit kann man auf jeden Fall arbeiten. Aber man wird sehen, wohin die Reise geht.

Sonja:

Der Name, oder die Farbe, ist letztlich nicht entscheidend. Ich bin im Sport eigentlich nicht so involviert, weil ich nicht verlieren kann. Ob die in rosa mit blauen Punkten auf ihren Jerseys gewinnen, ist mir egal. Verstehst du, was ich meine? Das ist für mich jetzt nicht so wichtig. Ich möchte lieber gewinnen.

Sandro:

Im Moment haben wir einfach anderes zu tun und haben auch andere Prioritäten. Aber das ist sicher etwas, womit wir uns in den nächsten Monaten befassen werden.

Könnt ihr garantieren, dass es 2025 und darüber hinaus Football in der Schweiz geben wird?

Sandro:

Man durfte da auch schon wieder einiges von selbsternannten Experten lesen. Also etwas, was wir auf jeden Fall sicherstellen können, ist, dass wir die Saison absichern und dann neu anfangen können. Das war auch Teil des Deals. Wir sind Unternehmer und keine Spekulanten oder Investoren. Das habe auch der Mannschaft und dem Staff gesagt. Wir sind hier, um zu bleiben. Wir betrachten das als mittel- bis langfristiges Projekt. Also wir werden im September nicht wieder wechseln.

Auch wenn es sportlich nicht läuft in der Zukunft?

Sonja:

Wenn das Team keine Fortschritte macht, hat das auch mit uns zu tun. Aus geschäftlicher Sicht kannst du den Unterschied machen: Wenn du mehr Geld reingibst, kannst du dir bessere Leute und bessere Sachen holen. Und das ist ja unser Job, dabei zu helfen. Und wenn das Team verliert, dann ist das ebenso unsere Schuld. Dann haben wir nicht genug getan. Jetzt so kurzfristig können wir vielleicht nicht so viel wirken, wie wir das möchten oder auch könnten. Aber auf lange Sicht ist es unser Job dafür zu sorgen.

Wie wird die zukünftige Stadionsituation aussehen?

Sonja:

Mit Kriens ist das ja mal bis Ende des Jahres durchgeplant. Von der Schweiz aus gesehen ist das eigentlich eine sehr zentrale Lage, was gar nicht schlecht ist. Von Bern, von Zürich, von überall her bist du schnell da. Wenn du in Wil bist, bist du schon wieder mehr außerhalb. Das werden wir also noch sehen. Das sind Erfahrungen, die wir machen werden.

Sandro:

Ich finde Kriens eine sehr gut Wahl. Es ist praktisch Luzern. Das Stadion ist praktisch von Größe und Grundriss her identisch mit dem Stadion in Wil. Ich denke, es ist der richtige Ort für diese und die nächsten ein, zwei Spielzeiten. Wir werden zwar sehen, wie das Feedback ausfällt, aber ich bin schon zuversichtlich und auch glücklich mit dieser Wahl. Wie Sonja sagt, ist es sehr zentral und man hat auch vom Einzugsgebiet her eine bessere Situation, als es vielleicht an einem anderen Ort der Fall wäre. Das betrifft die Football-Vereine und den wirtschaftlichen Aspekt.

Habt ihr vor, mit diesem Einstieg Geld zu verdienen?

Sandro (lacht):

Davon bin ich zutiefst überzeugt, sonst hätten wir das auch nicht gemacht. Für uns ist das kein Hobby, sondern das ist ein Unternehmen. Und ein Unternehmen ist nur dann gesund, wenn es Geld verdient. Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass sich damit Geld verdienen lässt.

Sonja:

Sandro wollte sich in so vielen Dingen engagieren. Aber wir haben aber ja drei Kinder und mehrere Firmen. Irgendwann ist ein solches Projekt in diesem Ausmaß ehrenamtlich nicht mehr möglich. Du musst Prioritäten setzen. Und ich finde, das ist ein super Kompromiss. Es ist möglich, damit Geld zu verdienen und es soll damit auch Geld verdient werden, um der Gesellschaft wieder etwas zurückzugeben. Also das Sozialste, was man in einem Unternehmen machen kann, ist Gewinn zu erzielen. Damit kann man die Wirtschaft weiter ankurbeln wieder etwas zurückgeben, wie etwa gute Sachen für die Fans machen. Von dem her ist das definitiv möglich. Die USA zeigt es ja.

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