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Das Land des Europameisters ist zukünftig in der European League of Football vertreten

Die European League of Football expandiert weiter und nimmt die Seamen Milano aus Norditalien in die Liga auf, wie heute offiziell bestätigt wurde. Das Mailänder Team wird ab der Saison 2023 in der europäischen Spitzenliga auflaufen. Damit umfasst die Liga aktuell 13 Franchises, mindestens weitere drei sollen noch in diesem Jahr vorgestellt werden. ELF-CEO Zeljko Karajica wiederholte kürzlich in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur das Ziel, innerhalb von fünf Jahren eine Liga mit 24 Teams in zehn bis 13 Ländern haben zu wollen.

Mit den Seamen Milano nimmt die European League of Football also eine Organisation auf, die bereits auf eine langjährige Vereinsgeschichte zurückblicken kann. Im Gegensatz zu den deutschen und spanischen Franchises der ELF handelt es sich demnach nicht um eine komplett neue Organisation. Das Team wurde erstmals 1981 gegründet, ehe es nach der zwischenzeitlichen Auflösung im Jahr 1990 vor 13 Jahren neu ins Leben gerufen wurde. Seitdem entwickelte sich der Verein zu einem der besten Italiens, auch auf internationaler Ebene sind die Seamen durch ihre Teilnahmen an der Champions League und der CEFL weitgehend bekannt. Insgesamt stehen neun Teilnahmen am Italian Bowl zu Buche, fünf davon konnten gewonnen werden. In diesem Jahr sind die Seamen, die selbstverständlich auch eine eigene Jugendarbeit betreiben, in der Italian Football League vertreten und dominieren dort aktuell.

Es war bisher ein angespanntes Verhältnis, dass der italienische Football mit der European League of Football pflegte. Dass nun bereits in der dritten Saison ein italienisches Franchise in der ELF an den Start gehen würde, schien daher lange Zeit undenkbar. Noch im Juli 2021 hatte der italienische Verband FIDAF bekanntgegeben, dass jeder, der in der European League of Football spielt, für alle italienischen Ligen und die italienische Nationalmannschaft gesperrt werden würde. Vor wenigen Wochen gab es schließlich das erhoffte Zeichen der Entspannung, als Commissioner Patrick Esume gemeinsam mit dem Vizepräsidenten der FIAF Fabio Tortosa den Grundstein für die Aufhebung der Sanktionen durch die FIDAF und eine kontinuierliche Zusammenarbeit legten. Den ersten italienischen Beitrag werden zudem in dieser Saison bereits italienische Referees leisten, die Spiele in der European League of Football pfeifen werden.

Weitere Zweifel an einer ELF-Franchise in Italien schürte zudem die hohe finanzielle Belastung, die mit einem Eintritt in die European League of Football verbunden ist. Lange Zeit hieß es, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein semi-professionelles Football-Team in Italien nicht wirtschaftlich sei und daher eine Franchisegründung ein zu hohes Risiko darstellen würde. Diese Bedenken konnten nun offenbar ausgeräumt werden.

Um Einnahmen zu erzielen, sind Teams auch auf Fans und Zuschauer im Stadion angewiesen. Die Seamen Milano trugen zuletzt ihre Spiele im Velodromo Maspes-Vigorelli aus, das mit einer Kapazität von 7.500 auch in der ELF genügend Plätze bieten dürfte und auch für die TV-Übertragungen geeignet sein sollte. Das Zuschauerinteresse hielt sich bisher allerdings in Grenzen. Beim ersten Heimspiel der diesjährigen Saison strömten lediglich 250 Fans ins Stadion, in der Vor-Corona-Saison 2019 sahen im Schnitt 370 Menschen die Seamen im Grunddurchgang live vor Ort. Allgemein scheint in Italien noch kein Hype um den lokalen Football ausgebrochen zu sein, schließlich sahen den Italian Bowl 2019 rund 3.000 Fans im Stadion, 2021 waren es 600. Die European League of Football setzt auch auf den Erlebnischarakter beim American Football, besonders die Power Parties sind hier zentral. Hoffentlich können dadurch künftig mehr Fans zum Stadionbesuch bewegt werden.

Bezüglich der Spielerrekrutierung sollte der Standort Mailand wohl mit die besten Voraussetzungen in Italien bieten. Es darf zunächst angenommen werden, das ein Großteil des IFL-Kaders der Seamen den Weg in die ELF mitgehen wird. Die verbleibenden Kaderplätze mit starken lokalen Athleten zu füllen, dürfte aber auch kein Problem darstellen. So beheimatet Mailand mit den Rhinos ein weiteres Erstligateam und auch in den unteren Ligen treten eine Reihe von Vereinen an, die entweder direkt aus Mailand stammen oder aus der unmittelbaren Umgebung kommen. Des Weiteren sind Großstädte wie Parma (amtierender Meister; 115 km Entfernung) oder Turin (125 km) relativ schnell zu erreichen, womit auch von dort Athleten rekrutiert werden können. Allgemein bietet der Norden einen deutlich größeren Spielerpool als man ihn beispielsweise in Rom oder im Süden findet.

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Elias

Elias ist seit Ende August 2021 Teil von Foot Bowl. Mail: hoffmann-footbowl@gmx.de