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Noa Monn

Der American Football gehört zu einem der populärsten Sportarten der Welt und wird auch in Europa immer beliebter. Die European League of Football (ELF), die seit 2021 besteht, gehört mittlerweile zu einer der einflussreichsten Liga in Europa. Hier spielen Teams aus verschiedenen Ländern gegeneinander und kämpfen um den Meistertitel. Auch die Schweiz ist ab nächster Saison in der ELF vertreten und hat mit den Helvetic Guards ein eigenes Franchise.

Im Januar diesen Jahres wurde der 37-jährige Offensive Lineman Wilson Ferretti von den Helvetic Guards vorgestellt. Der schweiz-italienische Spieler ist in Chur (Schweiz) geboren. Er lebte lange Zeit in Italien, ist seit sechs Jahren aber wieder in der Schweiz und arbeitet auch dort. 2023 sollte er das Schweizer Team in der Offensive Line unterstützen. Doch gestern stellte sich heraus, dass Ferretti 2023 nicht für die Helvetic Guards spielen wird.

ELF-Importregelung

Der Grund dafür sind Abstimmungsprobleme im Hinblick auf die Importregelungen der ELF. Gemäß dieser Regeln wird ein Spieler als Homegrown-Spieler gezählt, wenn er in dem Land begonnen hat American Football zu spielen, in dem er aktuell spielt. Da Ferretti 2013 in Italien bei den Milano Seamen mit dem Footballspielen begonnen hat, gilt er in diesem Zusammenhang als Homegrown-Spieler Italiens. Ferretti hätte bei den Guards als E-Spot spielen müssen. Doch die maximale Anzahl von sechs europäischen Importspieler ist bereits erreicht.

Diese Importregelungen sollen dazu beitragen, dass in der ELF die heimischen Talente gefördert werden und die Ligen somit eine größere Identifikation mit der Region und dem Land ermöglichen. Für Ferretti stellt dies jedoch eine Enttäuschung dar, da er sich sehr auf die Saison mit den Helvetic Guards und seine Rolle im Team gefreut hat. Es gibt aber auch Ausnahmen in der ELF. Zum Beispiel zählt Sebastian Gauthier in Frankfurt als Homegrown. Er spielte vor der Gründung der ELF bereits über drei Jahre in Frankfurt und hat sein Lebensmittelschwerpunkt ebenfalls in Frankfurt. Es gab aber auch prominente und kuriose Ausnahmen, wie beispielsweise Timothy Knüttel. In Leipzig und ein Jahr später in Düsseldorf galt er als Homegrown, obwohl er in den Staaten erstmals mit dem Football begann. In diesem speziellen Fall konnte man nicht durchschauen, warum die Importregel bei ihm nicht galt. Die Helvetic Guards selbst haben sich bislang nicht zum Vertragsende mit Ferretti geäußert.

Wilson Ferretti – Foto: Sarah Philipp

Auf Nachfrage von Foot Bowl äußerte sich Ferretti zu diesem Thema:

„Leider wurde ich sehr spät (Ende März), kurz vor Saisonbeginn, von der Geschäftsleitung der Helvetic Guards darüber informiert, dass ich nicht für sie spielen kann, da ich als EU-Import gelte. Nach einer zehntägigen Reflektionsphase habe ich Kontakt mit den Milano Seamen aufgenommen. Bei einem Besuch dort erzählte man mir Coach Addona von den Legnano Frogs, dass sie auf der Suche nach erfahrenen Offensive Linemen auf europäischem Top-Niveau sind. Nach einem Gespräch mit Coach Addona und President Guarnieri waren wir uns innerhalb von zwei Tagen einig und ich konnte bereits am 20.04.2023 mit dem Team trainieren. Wir wurden sehr freundlich behandelt und willkommen geheißen.“

Wilson Ferretti

Ferretti wird also kommende Saison nicht mit Bruder Federico für die Guards spielen. Er wird stattdessen mit Bruder Orfeo in der IFL für die Legnano Frogs auflaufen.

Dieser Vorfall verdeutlicht, dass im europäischen Football auch außerhalb des Spielfeldes viele Herausforderungen existieren. Insbesondere wenn es um den Einsatz von ausländischen Spielern geht. Dennoch bleibt der Sport eine Leidenschaft für viele Europäer und ein wichtiger Faktor für die wachsende Popularität des American Footballs in Europa.

Hendrik

Hendrik gründete Foot Bowl am 30. April 2021. Mail: footbowl@gmx.net

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